Die Metaanalyse – Ein Step-by-Step Guide

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Metaanalyse-Definition

Aufgrund der Jahr für Jahr stark zunehmenden Anzahl an wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu einem bestimmten Thema drängt sich häufig die Notwendigkeit auf, die Vielzahl an Studien zu einem bestimmten Themenkreis gesamtheitlich zu betrachten und ihre Erkenntnisse übersichtlich zusammenzufassen. So können quantitative Forschungsarbeiten interpretiert und ein Gesamtbild geschaffen werden.

Zur Erstellung solcher Übersichtsarbeiten, wie sie beispielsweise im medizinischen Bereich zur Anwendung kommen, können sich Forscher verschiedener Methoden bedienen – eine davon ist die sogenannte Metaanalyse.1

Metaanalyse «einfach erklärt»

Bei der Metaanalyse werden die statistischen Daten von mehreren bereits existierenden Forschungen zusammengefasst und analysiert, um einen weitreichenden Überblick zu erhalten.

Definition: Metaanalyse

Wenn zu einer bestimmten Fragestellung eine Vielzahl an (Primär-)Studien vorliegt, eröffnet die Metaanalyse die Perspektive, die Ergebnisse der unterschiedlichen Publikationen systematisch zu einem Gesamtbefund zusammenzuführen. Dabei bedient man sich quantitativer Methoden.2

Durch die Zusammenfassung von Einzelergebnissen erhoffen sich Wissenschaftler, die Metaanalysen durchführen, ein insgesamt aussagekräftigeres Ergebnis. Das Metaresultat kann als eine Art Mittelwert verstanden werden und entsteht durch das «Pooling» von Daten. In der Medizin können Metaanalysen beispielsweise dazu genutzt werden, die Effektivität einer bestimmten Therapie genauer zu bestimmen.3

Beispiele der Metaanalyse

Im Folgenden findest du zwei Links zu Beispielen aus der Praxis, in denen eine Metaanalyse im Rahmen einer Abschlussarbeit durchgeführt wurde:

Justus-Liebig-Universität Gießen: Tim Peter Schmeiser:

 

Universität des Saarlandes: Carsten Alexander Weber:

Die Durchführung der Metaanalyse

Charakteristisch für die Metaanalyse ist ein transparentes und mehrschrittiges Vorgehen. Dieses gliedert sich in die folgenden Arbeitsphasen:

  1. Formulierung der Forschungsfrage4
  2. Recherche nach Primärstudien5
  3. Überprüfung der Übereinstimmung von Primärstudien4
  4. Kodieren von passenden Primärstudien5
  5. Durchführung der Metaanalyse2
  6. Präsentation der Ergebnisse für die Leserschaft5

1. Formuliere deine Forschungsfrage

Am Beginn der Metaanalyse steht – wie im Übrigen bei einer konventionellen Primärstudie auch – die Formulierung einer Forschungsfrage. Aus dieser sollten immer auch Ziel und Gegenstand der Untersuchung deutlich hervorgehen.5

Ein Beispiel für die Forschungsfrage einer Metaanalyse könnte wie folgt lauten:5

«Metaanalyse zum Signalisierungseffekt: Inwieweit verbessern Signalisierungen die Lernleistungen?»

2. Suche dir deine Primärstudien heraus

Den zweiten Schritt nach der Formulierung der Forschungsfrage stellt die umfassende Recherche nach passenden Primärstudien dar. Diese können sich schnell auf mehrere hundert Publikationen belaufen.4

Beachte: Je mehr Studien du in deine Untersuchung miteinbeziehst, desto größer ist deren Aussagekraft. Gleichzeitig verringert sich auf diese Weise auch das Risiko eines verzerrten Gesamtergebnisses.5

3. Prüfe die Übereinstimmung der Primärstudien

Für jede einzelne Primärstudie, auf die du bei deinen Recherchen stößt, musst du entscheiden, ob sie deinen vorab definierten Kriterien entspricht: Ist dies nicht der Fall, bleibt sie bei der Metaanalyse unberücksichtigt. Hierfür bedienst du dich einer Liste aus Inklusions- und Exklusionskriterien. Relevant sind in diesem Zusammenhang unter anderem der inhaltliche Kontext und die methodische Qualität.4 6 5

4. Kodiere die passenden Primärstudien

Idente oder ähnliche Forschungsfragen werden in verschiedenen Primärstudien unterschiedlich ergründet. Im nächsten Schritt geht es also darum, die gewählten Publikationen vergleichbar zu machen, was auch deren Kodierung miteinschließt.7

Der Begriff der Kodierung bezeichnet dabei vereinfacht gesagt das Zuweisen von Kategorien. Diese Kategorien beziehen sich auf Merkmale, die für die spätere Berechnung der Metaanalyse relevant sind. Als Beispiele dafür lassen sich etwa Stichprobengröße und Effektgrößenmaß nennen, aber auch inhaltliche und methodische Moderatorvariablen (wie etwa Durchschnittsalter, Untersuchungsdesign usw.).8 9

5. Führe die Metaanalyse durch

Nach der Kodierung und Berechnung einheitlicher Effektgrößen zum Zwecke der Vergleichbarkeit folgt die primärstudienübergreifende statistische Integration. Die einzelnen Resultate werden dabei im Wesentlichen durch Pooling zu einem Mittelwert zusammengefasst, der als Metaresultat fungiert.3 7

Bei diesem Schritt kannst du zwischen verschiedenen Modellen auswählen, die sich durch unterschiedliche statistische Annahmen auszeichnen. Es bestehen diesbezüglich auch Kombinationsmöglichkeiten.1 5

6. Präsentiere deine Ergebnisse der Leserschaft

Bei der Präsentation der Ergebnisse deiner Metaanalyse solltest du auf Grafiken und Diagramme zurückgreifen, die eine schnelle Interpretation durch die Leserschaft ermöglichen. Am häufigsten kommt dabei der sogenannte Forest-Plot zur Anwendung, der sowohl die Effektgrößen aller in die Metastudie inkludierten Primärstudien als auch das gepoolte Gesamtresultat darzustellen vermag.10

Welche Vorteile bietet die Metaanalyse?

Folgende Vorteile sprechen für die Durchführung einer Metaanalyse im Zuge deiner Untersuchung:

  • schafft Überblick über uneinheitliche Befunde
  • erhöht statistische Aussagekraft und Validität
  • kann zur Erarbeitung von fundierten Entscheidungsgrundlagen beitragen5
  • weist insgesamt oft signifikant höhere Aussagekraft auf als Einzelstudien3

Stolpersteine der Metaanalyse

Die Metaanalyse weist aber auch einige «Problemzonen» auf, darunter die folgenden:

Probleme Bedeutung
Erforderliche Mindestanzahl an Primärstudien in der Regel erst ab einer bestimmten Mindestanzahl von Primärstudien sinnvoll
Publikationsverzerrung ("publication bias") erhoffte und signifikante Ergebnisse werden in der Regel eher publiziert
Uniformitätsproblem hohe Schwierigkeit, inhaltlich und methodisch hinreichend homogene Primärstudien zu wählen
"Garbage-in-Garbage-out"-Problem methodisch schwächere Primärstudien beeinträchtigen Qualität des Gesamtresultats
Abhängige Untersuchungsergebnisse Problem des Umgangs mit mehreren Effektgrößen in einer Primärstudie
Fehlende Daten Probleme durch unzureichende statistische Kennwerte in den verarbeiteten Primärstudien

Systematic Review und die Metaanalyse – Wo besteht der Unterschied?

Systematic Reviews (deutscher Begriff: systematische Übersichtsarbeiten) bezeichnen kein konkretes statistisches Verfahren, sondern ein übergeordnetes Studiendesign. Eine Übersichtsarbeit kann zwar eine Metaanalyse enthalten, dies muss jedoch nicht zwingend der Fall sein. Es gibt dementsprechend auch rein qualitative Systematic Reviews.3

Im Sinne des Mixed-Method-Zugangs ist es jedoch möglich, in derselben Arbeit qualitative und quantitative Methoden zu kombinieren und dadurch überlappende oder einander ergänzende Fragestellungen zu beantworten. Zu den Vorteilen dieser Vorgehensweise zählen ein breiterer Evidenzbegriff und die Möglichkeit der Synthetisierung der Ergebnisse zu einem für breitere Leserkreise relevanten Resultat.11

Häufig gestellte Fragen

Bei dieser Untersuchungsform handelt es sich um ein wissenschaftliches Verfahren zur Zusammenfassung von Ergebnissen aus mehreren Studien zur selben Fragestellung.

Durch diese Methode soll ermöglicht werden, über Einzelpublikationen hinausgehende, übergreifende Aussagen zu treffen, Ergebnisse zusammenzuführen und deren Abweichungen zu bestimmen.12

Bei der Metaanalyse handelt es sich um ein statistisches Verfahren, durch das verschiedene Studienergebnisse auf quantitativer Basis kombiniert werden können.3 13

Teilweise werden die Begriffe Metaanalyse und systematische Übersichtsarbeit synonym gebraucht. Genau genommen bezeichnet zweiterer Terminus aber ein bestimmtes Studiendesign, im Rahmen dessen auch die Metaanalyse als statistisches Verfahren zur Anwendung kommen kann.3

Die Methode der Metaanalyse kann unter anderem in der Medizin, der Psychologie und in der empirischen Sozialforschung eingesetzt werden.12 14

Quellen

¹Ressing M., Blettner M., Klug S.: Systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen, in: Uni-kiel.de 03.07.2009, [online] https://www.uni-kiel.de/medinfo/lehre/seminare/methodik/Dtsch%20Arztebl%2006%20Systematische%20%C3%9Cbersichtsarbeiten%20und%20Metaanalysen.pdf (abgerufen am 09.11.2022)

²Uni Marburg: Meta-Analyse, in: Uni-marburg.de, o.D., [online] https://www.uni-marburg.de/de/fb04/team-heck/forschung/forschung_meta-analyse (abgerufen am 09.11.2022)

³Gesundheit: Metaanalyse, in: Gesundheit.gv.at, o.D., [online] https://www.gesundheit.gv.at/lexikon/M/lexikon-meta-analyse.html#:~:text=Eine%20Metaanalyse%20ist%20ein%20statistisches,daraus%20ein%20aussagekr%C3%A4ftigeres%20Ergebnis%20errechnet. (abgerufen am 09.11.2022)

⁴Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Was sind systematische Übersichten und Meta-Analysen?, in: Gesundheitinformation.de, 25.05.2020, [online] https://www.gesundheitsinformation.de/was-sind-systematische-uebersichten-und-meta-analysen.html (abgerufen am 09.11.2022)

⁵Rey G.: Metaanalyse, in: Tu-chemnitz.de, o.D., [online] https://www.tu-chemnitz.de/phil/imf/psyler/lehre/V_EidS/12%20Metaanalyse.pdf (abgerufen am 09.11.2022)

⁶Sporer S.: Eine Metaanalyse wie Persönlichkeitsfragebögen das Ergebnis von Pilotentrainings vorhersagen können, in: Universität Salzburg, Juli 2018, [online] https://eplus.uni-salzburg.at/obvusbhs/content/titleinfo/5003164/full.pdf (abgerufen am 09.11.2022)

⁷Beelmann A.: Metaanalyse, in: Dorsch – Lexikon der Psychologie, 15.12.2021, [online] https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/metaanalyse (abgerufen am 09.11.2022)

⁸Lesperance K., Simon Munk, Yvonne Holzmeier, Melanie Braun, Doris Holzberger: Geschlechterunterschiede im Bildungskontext, in: Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2022, [online] https://books.google.at/books?id=arNsEAAAQBAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false (abgerufen am 09.11.2022)

⁹Döring N., Jürgen Bortz: Forschungsmethoden und Evaluation, 2016, [online] https://books.google.at/books?id=EvfNCgAAQBAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false (abgerufen am 09.11.2022)

¹⁰Chenot J., Katrin C Reber: Metaanalysen lesen und interpretieren: eine praktische Anleitung, in: Online-zfa.de, 2015, [online] https://www.online-zfa.de/archiv/ausgabe/artikel/zfa-11-2015/48743-103238-zfa20150469-0473-metaanalysen-lesen-und-interpretieren-eine-praktische-anleitung/ (abgerufen am 09.11.2022)

¹¹University Libraries: Systematic Reviews & Other Review Types, in: Guides.temple.edu, 08.11.2022, [online] https://guides.temple.edu/c.php?g=78618&p=4178717 (abgerufen am 09.11.2022)

¹²Antwerpes F.: Metaanalyse, in: Flexikon.doccheck.com, 13.05.2016, [online] https://flexikon.doccheck.com/de/Metaanalyse (abgerufen am 09.11.2022)

¹³Müllner M.: Was ist eine Meta-Analyse? In: Springer, 2002, [online] https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-7091-3755-0_19#citeas (abgerufen am 09.11.2022)

¹⁴Jordan P.: Aussagen der Metaanalysen: klare Botschaft oder Verwirrung?, in: Rosenfluh.ch, 2010, [online] https://www.rosenfluh.ch/media/ernaehrungsmedizin/2010/05/Aussagen_der_Metaanalysen.pdf (abgerufen am 09.11.2022)