Kupferstich – Technik, Geschichte & Anwendungsbereiche

29.11.2025 Druckverfahren Lesedauer: 7min

Beitrag bewerten

0 Bewertungen


Kupferstich-01

Der Kupferstich gehört zu den ältesten und faszinierendsten Druckverfahren der Kunstgeschichte. Mit seiner feinen Linienführung und der Möglichkeit, detaillierte Schattierungen darzustellen, hat er über Jahrhunderte hinweg Künstler und Sammler gleichermaßen beeindruckt. Dieser Beitrag wirft einen Blick auf die Entwicklung, den Herstellungsprozess und den Einfluss des Kupferstichs auf die Kunstwelt.

Definition: Kupferstich

Der Kupferstich ist ein Tiefdruckverfahren, bei dem eine Zeichnung oder ein Motiv in eine Kupferplatte graviert wird. Durch das Einfärben der vertieften Linien und den anschließenden Abdruck auf Papier entstehen feine, detailreiche Bilder. Diese Technik ermöglicht eine präzise Wiedergabe von Linien, Schraffuren und feinen Details, was sie besonders in der Kunst und Buchillustration geschätzt macht.

Technik des Kupferstichs

Der Kupferstich ist ein anspruchsvolles Tiefdruckverfahren, das sich durch die hohe Detailtreue und feine Linienführung auszeichnet. Um ein Kupferstichmotiv zu erstellen, wird das Bild zunächst in eine Kupferplatte eingraviert. Dieser Vorgang erfordert großes handwerkliches Können und präzise Werkzeuge. Nach der Gravur wird die Platte eingefärbt, und der Abdruck erfolgt durch eine Walzenpresse. Diese Drucktechnik hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt, bleibt aber in ihrer Grundstruktur unverändert.

1. Herstellung der Druckplatte

  1. Vorbereitung der Kupferplatte: Die Kupferplatte wird zunächst gereinigt und poliert, um eine glatte Oberfläche zu bieten, auf der das Motiv präzise eingeätzt werden kann.
  2. Übertragung des Motivs: Der Künstler überträgt das Motiv auf die Platte, oft durch Zeichnen oder Schablonieren. Früher wurde die Zeichnung direkt in die Platte eingeritzt, heute gibt es auch Techniken wie die Verwendung von saurem Ätzmittel.
  3. Gravur mit Stichel und Feilen: Mit einem speziellen Grabstichel oder einer Feile werden die Linien in die Kupferplatte graviert. Dies geschieht von Hand, wobei der Künstler zwischen feinen und kräftigeren Linien unterscheidet, um unterschiedliche Schattierungen und Texturen zu erzeugen.

2. Der Druckprozess

  1. Einsetzen der Farbe: Nachdem die Kupferplatte graviert wurde, wird sie mit Druckfarbe bestrichen. Die Farbe wird in die Vertiefungen des Motivs gedrückt, während die Oberfläche der Platte abgewischt wird, sodass nur die vertieften Linien Farbe tragen.
  2. Abdruck auf Papier: Die Platte wird unter einer großen Walzenpresse durch das Papier geführt. Dabei wird die Farbe von der Platte auf das Papier übertragen. Durch den Druck entsteht ein klarer und detaillierter Abdruck.
  3. Druck von mehreren Exemplaren: Der Kupferstich ermöglicht es, mehrere Exemplare eines Bildes zu drucken, da der Künstler die Platte wiederholt verwenden kann, um identische Abdrücke zu erzeugen.

Besondere Merkmale des Kupferstichs

Merkmal Beschreibung
Feine Linienführung Der Kupferstich zeichnet sich durch besonders präzise und feine Linien aus.
Hochwertige Details Die Technik ermöglicht die Wiedergabe feinster Details, die bei anderen Druckverfahren oft verloren gehen.
Schraffurtechniken Unterschiedliche Schraffurtechniken können verwendet werden, um Tiefe und Textur zu erzeugen.
Langlebigkeit Die Kupferplatte ist robust, sodass sie für viele Drucke verwendet werden kann, ohne an Qualität zu verlieren.

Druckprodukte bei BachelorPrint

  • Große Auswahl an Druckprodukten für jeden Bedarf
  • Individuelle Lösungen und persönliche Beratung
  • Hochwertige Druckqualität & schnelle Produktionszeiten

Jetzt informieren!

Zu den Druckprodukten

Geschichte des Kupferstichs

Der Kupferstich hat eine lange und bedeutende Geschichte, die eng mit der Entwicklung der Drucktechniken und der Kunstgeschichte verbunden ist. Als eine der ersten Techniken, die es ermöglichte, Kunstwerke in größerer Auflage zu reproduzieren, spielte der Kupferstich eine Schlüsselrolle in der Verbreitung von Kunst und Wissen. Die Ursprünge dieser Technik reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück, und ihre Blütezeit erlebte der Kupferstich besonders in der Renaissance und im Barock.

Hier eine kurze Übersicht über die Entwicklungen:

Zeitraum Ereignisse und Entwicklungen
15. Jahrhundert Erste Entwicklung des Kupferstichs, beeinflusst von der Niello-Technik.
16. Jahrhundert Blütezeit des Kupferstichs, geprägt von Künstlern wie Albrecht Dürer und Martin Schongauer.
17. Jahrhundert Weit verbreitete Nutzung für Buchillustrationen und Porträts.
18. Jahrhundert Einführung der Radierung, Rückgang der Bedeutung des Kupferstichs durch die Lithographie.
19.–20. Jahrhundert Wiederbelebung des Kupferstichs durch einige Künstler, aber Rückgang in der allgemeinen Verwendung.

Detaillierte Übersicht der Geschichte

  • Anfänge im 15. Jahrhundert: Der Kupferstich entwickelte sich wahrscheinlich um 1430 in Deutschland oder den Niederlanden, wobei die Technik des Tiefdrucks von den Goldschmieden und Metallarbeitern übernommen wurde.
  • Einfluss der Niello-Technik: Die Niello-Technik, bei der Linien in Metallplatten eingeritzt und mit einer schwarzen Füllung versehen wurden, hat vermutlich die Entwicklung des Kupferstichs beeinflusst, da beide Verfahren ähnliche Gravurtechniken verwenden.
  • Frühe Verwendung: Zunächst wurde der Kupferstich hauptsächlich für religiöse Darstellungen, Buchillustrationen und landwirtschaftliche Darstellungen genutzt.
  • Albrecht Dürer (1471–1528): Als einer der bekanntesten Künstler des Kupferstichs revolutionierte Dürer die Technik mit seinen detailreichen und künstlerisch anspruchsvollen Druckgrafiken. Besonders seine Werke wie „Ritter, Tod und Teufel“ und „Melencolia I“ sind Meilensteine der Kunstgeschichte.
  • Martin Schongauer (1448–1491): Ein weiterer wichtiger Kupferstecher der frühen Renaissance, dessen Werke, insbesondere „Das Opfer der heiligen Barbara“, zur Verfeinerung der Technik beitrugen.
  • Verbreitung in der Buchkunst: Im 16. Jahrhundert wurden Kupferstiche zunehmend für Buchillustrationen verwendet, was die Verbreitung der Technik noch weiter förderte. Sie fanden auch Anwendung in wissenschaftlichen und geographischen Abbildungen.
  • Einführung der Radierung: Im 16. Jahrhundert wurde die Radierung als neue Technik entwickelt, die zusammen mit dem Kupferstich verwendet wurde. Sie ermöglichte eine noch feinere und abwechslungsreichere Gestaltung der Drucke.
  • Erschütterung der Dominanz im 18. Jahrhundert: Mit der Weiterentwicklung von Drucktechniken wie der Lithographie im 18. Jahrhundert begann der Kupferstich an Bedeutung zu verlieren. Dennoch blieb er bis ins 19. Jahrhundert eine wichtige Technik in der Kunstwelt.
  • 19. und 20. Jahrhundert: Der Kupferstich erlebte in dieser Zeit eine gewisse Renaissance, besonders im Rahmen des historischen Kunstverständnisses und der Wiederbelebung traditioneller Drucktechniken.
  • 20. Jahrhundert und darüber hinaus: Obwohl der Kupferstich in der zeitgenössischen Kunst nicht mehr so weit verbreitet ist, wird die Technik weiterhin von Künstlern genutzt, die eine gewisse historische Authentizität in ihren Arbeiten bewahren möchten. Einige moderne Künstler greifen auf den Kupferstich zurück, um sich von den mechanischen Reproduktionen der digitalen Ära abzuheben.

Skripte günstig online drucken lassen

  • Skripte online drucken in Klein- oder Großauflage
  • Individuelle Konfiguration von Grammatur, Format und Layout
  • Schwarz/Weiß-Druck für CHF 0,10 & Farbdruck für CHF 0,18

Jetzt informieren!

Zu Skripte drucken

Anwendungsmöglichkeiten des Kupferstichs

Der Kupferstich hat im Laufe der Jahrhunderte vielfältige Anwendungsmöglichkeiten gefunden, sowohl in der Kunst als auch in praktischen Bereichen.

 

Kunstwerke und Druckgrafiken

  • Einzelne Kunstwerke: Kupferstiche wurden von Künstlern wie Dürer und Rembrandt für detaillierte, einseitige Kunstwerke genutzt.
  • Porträts: Besonders im 16. und 17. Jahrhundert war der Kupferstich eine beliebte Methode zur Darstellung von Persönlichkeiten.

 

Buchdruck & Illustrationen

  • Wissenschaftliche Abbildungen: Der Kupferstich wurde für präzise Karten und geografische Abbildungen verwendet.
  • Literarische Illustrationen: In der Renaissance und dem Barock verschönerte der Kupferstich Buchtexte mit detaillierten Bildern.

 

Werbegrafiken und kommerzielle Anwendungen

  • Werbung: Im 19. Jahrhundert wurde der Kupferstich für anspruchsvolle Werbegrafiken und Plakate eingesetzt.
  • Zertifikate: Auch in Urkunden und Geldscheinen fand der Kupferstich Verwendung, um Fälschungen vorzubeugen.

 

Sammlereditionen und Reproduktionen

  • Reproduktionen: Der Kupferstich diente der Reproduktion berühmter Kunstwerke für eine breitere Öffentlichkeit.
  • Sammlereditionen: Heute wird er in limitierten Auflagen von Künstlern und Druckereien angeboten.

 

Bildung und Kunsthandwerk

  • Kunstschule: Der Kupferstich war ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung von Druckgrafikern und Künstlern.
  • Restaurierung: In der Kunstrestaurierung wird der Kupferstich genutzt, um beschädigte Werke zu rekonstruieren.

 

Moderne Anwendungen

  • Zeitgenössische Kunst: Moderne Künstler nutzen den Kupferstich für traditionelle Drucktechniken.
  • Digitale Reproduktionen: Digitale Plattformen verwenden den Kupferstich, um Kunstwerke zugänglich zu machen.

Häufig gestellte Fragen

Der Hauptunterschied zwischen einer Radierung und einem Kupferstich liegt in der Technik, mit der die Druckplatten bearbeitet werden. Bei der Radierung wird das Bild mit einem scharfen Draht in eine mit Wachs oder einem anderen Schutzmaterial überzogene Metallplatte geritzt. Anschließend wird die Platte geätzt, sodass das Motiv in das Metall eingraviert wird. Beim Kupferstich hingegen wird das Bild direkt mit einem Grabstichel oder einer Feile in die Kupferplatte graviert, was eine andere Textur und Linienführung erzeugt. Während die Radierung oft weiche, schattierte Übergänge ermöglicht, ist der Kupferstich für seine präzise Linienführung und feine Detailarbeit bekannt.

Beim Kupferstich wird ein Bild direkt in eine Kupferplatte graviert. Zuerst wird die Platte gereinigt und poliert. Der Künstler überträgt dann das Motiv auf die Platte, meist durch Ritzen oder Schaben mit einem Grabstichel oder einer Feile. Nach der Gravur wird die Platte mit Druckfarbe eingerieben, die in den vertieften Linien haften bleibt. Anschließend wird die überschüssige Farbe von der Oberfläche abgewischt, sodass nur die Linienfarbe erhalten bleibt. Die Platte wird dann unter einer Walzenpresse mit Papier in Kontakt gebracht, wodurch der Abdruck des Bildes entsteht.

Zu den bekanntesten Kupferstechern zählen Albrecht Dürer, berühmt für Werke wie „Ritter, Tod und Teufel“ und „Melencolia I“. Rembrandt ist für seine detailreichen Kupferstiche wie „Der Dreißigjährige Krieg“ bekannt. Martin Schongauer gilt als einer der ersten großen Kupferstecher, bekannt für „Das Opfer der heiligen Barbara“. Francisco de Goya nutzte den Kupferstich in Serien wie „Los Caprichos“ und „Los Desastres de la Guerra“, um gesellschaftliche Missstände darzustellen. Pieter Paul Rubens, vor allem Maler, schuf ebenfalls wichtige Kupferstiche, die seine Gemälde reproduzierten.

Der Kupferstich wurde wahrscheinlich um 1430 in Deutschland oder den Niederlanden entwickelt, aber es ist nicht genau bekannt, wer ihn erfunden hat. Einige Quellen schreiben die Erfindung dem deutschen Goldschmied Hans Schultes oder einem seiner Zeitgenossen zu. Die Technik könnte sich aus der Niello-Technik entwickelt haben, bei der Metalloberflächen eingraviert und dann mit schwarzer Farbe ausgefüllt wurden. Der Kupferstich verbreitete sich rasch und wurde später von Künstlern wie Albrecht Dürer perfektioniert und berühmt gemacht.

Der Kupferstich ist ein Tiefdruckverfahren, bei dem das Motiv in eine Metallplatte, meist aus Kupfer, graviert wird.

Von

Shanyana Dressler

 
Über den Autor

Shanyana Dressler studiert an der International University und macht ihren Bachelor im Studiengang „Marketing -Management“. Sie schreibt jedes Semester mehrere verschiedene wissenschaftliche Arbeiten, Fallstudien und führt empirische Forschungen durch. Bei BachelorPrint arbeitet sie an Beiträgen für das Wissensportal, um Mitstudierenden Inhalte verständlich und anschaulich näherzubringen und zu erklären.

Alle Beiträge von diesem Autor anzeigen

Citation

Literaturverzeichnis

Dressler, S. (2025, November 29). Kupferstich – Technik, Geschichte & Anwendungsbereiche. BachelorPrint. https://www.bachelorprint.ch/druck-infos/druckverfahren/kupferstich/ (abgerufen 29.11.2025)

Verweis im Text

Klammern
(Dressler , 2025)
Im Text
Dressler (2025)

Literaturverzeichnis

Dressler, Shanyana. 2025. "Kupferstich – Technik, Geschichte & Anwendungsbereiche." BachelorPrint, abgerufen November 29, 2025. https://www.bachelorprint.ch/druck-infos/druckverfahren/kupferstich/.

Verweis im Text

Klammern
(Dressler 2025)

Literaturverzeichnis

Shanyana Dressler, "Kupferstich – Technik, Geschichte & Anwendungsbereiche," BachelorPrint, November 29, 2025, https://www.bachelorprint.ch/druck-infos/druckverfahren/kupferstich/ (abgerufen November 29, 2025).

Fussnoten

Kurzbeleg
Dressler, "Gekürzter Titel."

Literaturverzeichnis

Dressler, Shanyana: Kupferstich – Technik, Geschichte & Anwendungsbereiche, in: BachelorPrint, 29.11.2025, [online] https://www.bachelorprint.ch/druck-infos/druckverfahren/kupferstich/ (abgerufen 29.11.2025).

Fussnoten

Vollbeleg
Dressler, Shanyana: Kupferstich – Technik, Geschichte & Anwendungsbereiche, in: BachelorPrint, 29.11.2025, [online] https://www.bachelorprint.ch/druck-infos/druckverfahren/kupferstich/ (abgerufen 29.11.2025).
Direktes Zitat
Dressler, 2025.
Indirektes Zitat
Dressler, 2025.

Literaturverzeichnis

Dressler, Shanyana (2025): Kupferstich – Technik, Geschichte & Anwendungsbereiche, in: BachelorPrint, [online] https://www.bachelorprint.ch/druck-infos/druckverfahren/kupferstich/ (abgerufen 29.11.2025).

Verweis im Text

Direktes Zitat
(Dressler, 2025)
Indirektes Zitat
(Dressler, 2025)
Im Text
Dressler (2025)

Literaturverzeichnis

Dressler, Shanyana. "Kupferstich – Technik, Geschichte & Anwendungsbereiche." BachelorPrint, 29.11.2025, https://www.bachelorprint.ch/druck-infos/druckverfahren/kupferstich/ (abgerufen 29.11.2025).

Verweis im Text

Klammern
(Dressler)
Im Text
Dressler

Literaturverzeichnis

Nummer. Dressler S. Kupferstich – Technik, Geschichte & Anwendungsbereiche [Internet]. BachelorPrint. 2025 [zitiert 29.11.2025]. Verfügbar unter: https://www.bachelorprint.ch/druck-infos/druckverfahren/kupferstich/


Unsere Beiträge zu weiteren Themen