
Es gibt einige Druckbegriffe, die auch ausserhalb des Druckbereichs verwendet werden und dabei unterschiedliche Bedeutungen haben. Einer dieser Begriffe ist der «Schusterjunge», unter dem man sich nicht sofort vorstellen kann, was er im Druckbereich bedeutet. Dieser Beitrag erklärt, welche Bedeutungen der Begriff «Schusterjunge» hat und welche Rolle er im Druck spielt.
Schusterjunge «einfach erklärt»
Ein Schusterjunge ist ein einzelnes Wort oder eine sehr kurze Zeile, die am Ende einer Seite steht, während der restliche Absatz auf der nächsten Seite weitergeht. Das wirkt im Layout unruhig und schwer lesbar. In der Gestaltung versucht man, solche Umbrüche zu vermeiden.
Definition: Schusterjunge
In der Typografie bezeichnet ein Schusterjunge einen unerwünschten Zeilenumbruch, bei dem die erste Zeile eines neuen Absatzes am unteren Ende einer Seite oder Spalte steht, während der restliche Absatz auf der nächsten Seite folgt. Dadurch wird der Absatz optisch vom zugehörigen Text getrennt, was den Lesefluss stören kann und als typografischer Fehler gilt.
Der Begriff Schusterjunge stammt aus dem traditionellen Buch- und Bleisatz. Seine genaue Herkunft ist nicht eindeutig belegt, er zählt jedoch zu den bildhaften Fachausdrücken der Typografie. Begriffe wie „Waisenkind“ oder „Findelkind“ werden umgangssprachlich gelegentlich als neutrale Alternativen genannt, sind jedoch keine anerkannten typografischen Fachbegriffe.

Bedeutung in der Typografie
In der Typografie gilt ein Schusterjunge als klassischer Absatzfehler, der insbesondere bei mehrseitigen Texten vermieden werden sollte.
Typische Merkmale eines Schusterjungen:
- erste Zeile eines Absatzes steht allein am Seitenende
- restlicher Absatz beginnt auf der folgenden Seite
- der inhaltliche Zusammenhang wird optisch unterbrochen
Besonders relevant ist der Schusterjunge in:
- Büchern und Zeitschriften
- wissenschaftlichen Arbeiten (z. B. Bachelor- oder Masterarbeiten)
- längeren Texten im Blocksatz
Merke: In professionellen Layouts wird der Schusterjunge daher bewusst verhindert, um ein ruhiges, gut lesbares Satzbild zu gewährleisten.
Weitere Bedeutungen
Neben der typografischen Bedeutung gibt es noch weitere Verwendungen des Begriffs:
- Wortsinn: Im wörtlichen Sinn bezeichnet «Schusterjunge» einen Lehrjungen beziehungsweise Auszubildenden eines Schuhmachers.
- Brötchensorte: In Berlin existiert eine Brötchensorte mit der Bezeichnung «Schusterjunge», die typischerweise aus einem Weizen-Roggen-Mischmehl gebacken wird.
- Kölner Karneval: Im rheinischen Karneval, insbesondere in Köln, wird der Begriff auch für eine traditionelle Figuren- bzw. Kostümform verwendet.
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Kontexte
Der Begriff „Schusterjunge“ wird in unterschiedlichen Bereichen des Textsatzes verwendet. Je nach Medium und Anwendungsfall hat er dabei eine unterschiedliche praktische Relevanz.
Im klassischen Buch- und Zeitungssatz gilt der Schusterjunge als klarer typografischer Fehler. Da gedruckte Medien stark auf ein harmonisches Schriftbild angewiesen sind, wird hier besonders auf saubere Absatzumbrüche geachtet.
Merkmale eines Schusterjungen im Buch- und Zeitungssatz:
- tritt meist am Beginn einer neuen Seite oder Spalte auf
- stört den Lesefluss und das optische Gleichgewicht
- wird im professionellen Satz in der Regel konsequent vermieden
Gerade im mehrspaltigen Satz von Zeitungen oder Magazinen ist die Kontrolle von Schusterjungen ein fester Bestandteil der Qualitätsprüfung.
Auch in wissenschaftlichen Arbeiten spielen Schusterjungen eine Rolle, wenn auch mit etwas geringerer Priorität als im Buchsatz.
Typische Eigenschaften des unerwünschten Zeilenumbruchs in wissenschaftlichen Arbeiten:
- entstehen häufig durch automatische Seitenumbrüche
- wirken unruhig und unprofessionell, besonders bei langen Texten
- können bei formalen Vorgaben als Gestaltungsfehler gelten
Viele Hochschulen erwarten zwar keinen perfekten Buchsatz, ein sauberer Text ohne auffällige Schusterjungen trägt jedoch zu einem insgesamt besseren Gesamteindruck bei.
Im digitalen Bereich ist der Schusterjunge weniger klar definiert, da Layouts dynamisch und abhängig von Bildschirmgrösse und Endgerät sind.
Wichtige Aspekte eines Schusterjungen im Web und digital Publishing:
- Absatzumbrüche verändern sich je nach Display und Auflösung
- klassische Seitenlogik (oben/unten) ist oft nicht gegeben
- typografische Kontrolle ist nur eingeschränkt möglich
Trotzdem achten viele Designer im Webdesign auf ähnliche Prinzipien, um unerwünschte Einzelzeilen am Absatzanfang zu vermeiden, etwa durch responsive Typografie oder gezielte Abstände.
Hurenkind vs. Schusterjunge
Auch der Begriff «Hurenkind» stammt aus der Typografie. Er beschreibt ebenso wie der Schusterjunge Fehler im Satzbild. Beide Begriffe betreffen Absatzumbrüche, werden jedoch häufig verwechselt, da sie ähnliche Auswirkungen auf das Layout haben.
Die folgende Übersicht zeigt die Unterschiede von Schusterjunge und Hurenkind:
| Begriff | Erklärung |
| Die erste Zeile eines neuen Absatzes steht allein am Ende einer Seite oder Spalte, während der restliche Absatz auf der nächsten Seite beginnt. | |
| Hurenkind | Die letzte Zeile eines Absatzes steht allein am Anfang einer neuen Seite oder Spalte, getrennt vom restlichen Absatz. |
Merkhilfe:
- Schusterjunge → Der Absatz fängt unten neu an, aber kommt allein
- Hurenkind → Der Absatz hört oben allein auf
Beachte: Beide Satzfehler gelten im professionellen Druck als typografisch unsauber und sollten vermieden werden, da sie den Lesefluss stören und das Seitenbild unruhig wirken lassen.
Vermeiden
Ein Schusterjunge entsteht, wenn die erste Zeile eines Absatzes am Ende einer Seite oder Spalte steht. In professionell gesetzten Texten gilt dies als typografischer Fehler und sollte konsequent vermieden werden. Je nach Programm stehen dafür unterschiedliche Funktionen zur Verfügung.
In Word lassen sich Schusterjungen über die Absatzformate automatisch verhindern:
- Absatz markieren oder Absatzformat öffnen
- Unter Absatz → Zeilen- und Seitenumbruch die Option „Absatzkontrolle“ aktivieren
- Word hält dadurch mindestens zwei Zeilen eines Absatzes auf derselben Seite
Diese Einstellung empfiehlt sich besonders für längere Texte wie Hausarbeiten oder Abschlussarbeiten.
In InDesign erfolgt die Kontrolle direkt über die Absatzformate:
- Absatzformat öffnen
- Unter Absatzformatoptionen → Umbruchoptionen
- Bei „Zeilen zusammenhalten“ festlegen, wie viele Zeilen am Anfang eines Absatzes zusammenbleiben sollen
- Üblich sind mindestens zwei Zeilen
So lässt sich der Satz präzise steuern, ohne manuell in den Text einzugreifen.
LaTeX verhindert Schusterjungen standardmässig weitgehend automatisch. Für zusätzliche Kontrolle können Parameter angepasst werden:
- \widowpenalty und \clubpenalty auf hohe Werte setzen
- Optional Pakete wie nowidow oder needspace verwenden
- Bei kritischen Stellen gezielt manuelle Umbrüche setzen
Durch diese Mechanismen bleibt der Textsatz auch bei umfangreichen Dokumenten typografisch sauber.
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Typografische Regeln
Am Absatzanfang gelten in der Typografie klare Regeln, um den Lesefluss nicht zu stören und ein sauberes Schriftbild zu gewährleisten. Besonders im professionellen Drucksatz sollen typografische Fehler wie Schusterjungen vermieden werden.
Wichtige typografische Regeln zum Absatzanfang:
- Ein Absatz sollte nicht mit einer einzelnen Zeile enden oder beginnen, da dies das optische Gleichgewicht der Seite stört.
- Absätze sollten klar voneinander abgegrenzt sein, entweder durch Einzüge oder durch definierte Abstände, nicht durch beides gleichzeitig.
- Der erste Absatz nach einer Überschrift wird in der Regel nicht eingerückt, um die Hierarchie zwischen Überschrift und Text deutlich zu machen.
- Zeilenumbrüche am Seiten- oder Spaltenanfang sollten kontrolliert werden, damit keine isolierten Textzeilen entstehen.
- Einheitliche Absatzformate sind essenziell, um typografische Fehler systematisch zu vermeiden und ein konsistentes Layout zu gewährleisten.
Häufige Fehler
Gerade beim Schusterjungen kommt es zu Fehlern oder Missverständnissen aufgrund seiner mehreren Bedeutungen.

Schusterjunge und Hurenkind werden verwechselt
Ein häufiger Fehler ist die Gleichsetzung beider Begriffe. Während ein Schusterjunge die erste Zeile eines Absatzes am Seitenende beschreibt, bezeichnet ein Hurenkind die letzte Zeile eines Absatzes am Seitenanfang. Beide sind typografische Fehler, aber nicht identisch.

Der Begriff wird wörtlich verstanden
Der Ausdruck „Schusterjunge“ hat keinen inhaltlichen Bezug zu Handwerk oder Personen. Es handelt sich ausschliesslich um einen fachsprachlichen Begriff aus Typografie und Satz.

Schusterjungen werden als gestalterische Freiheit angesehen
Gerade in professionellen Druckprodukten gelten Schusterjungen nicht als Stilmittel, sondern als Satzfehler, die vermieden werden sollten.

Das Problem wird nur im Buchdruck vermutet
Schusterjungen treten nicht nur in Büchern oder Zeitungen auf, sondern auch in wissenschaftlichen Arbeiten, Berichten und digitalen PDFs.

Automatische Layoutprogramme werden überschätzt
Textverarbeitungs- und Layoutprogramme erkennen Schusterjungen nicht immer zuverlässig. Eine manuelle Kontrolle des Satzes bleibt daher wichtig.
Häufig gestellte Fragen
In der Typografie bezeichnet ein Schusterjunge die erste Zeile eines Absatzes am Seitenende. Darüber hinaus wird der Begriff auch im wörtlichen Sinn, als Bezeichnung für eine Brötchensorte sowie im Kölner Karneval in anderen Bedeutungen verwendet.
Ein Schusterjunge ist die erste Zeile eines Absatzes am Seitenende, ein Hurenkind die letzte Zeile eines Absatzes am Seitenanfang. Beide gelten als typografische Satzfehler.
Schusterjungen kommen vor allem in Büchern, Zeitungen, wissenschaftlichen Arbeiten sowie im Web- und Digital Publishing bei längeren Textabsätzen vor.