Gendersternchen – So setzt du es richtig ein

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Gendersternchen Definition

Sowohl im öffentlichen Leben als auch in der Wissenschaft wird die geschlechtergerechte Sprache immer wichtiger. Ein häufiges Mittel, um alle Geschlechtsidentitäten in die Sprache einzubeziehen, ist das sogenannte Gendersternchen. Die richtige Anwendung ist hierbei von großer Bedeutung, um einen inkorrekten wissenschaftlichen Schreibstil zu vermeiden.

Gendersternchen «einfach erklärt»

Das Gendersternchen ist im Grunde ein Sternchen zwischen einem Wort, das sowohl das weibliche als auch das männliche und diverse Geschlecht anspricht und deshalb häufig zum richtigen Gendern verwendet wird. Korrekterweise wird der Stern zwischen der maskulinen und femininen Wortendung eingesetzt.

Definition: Gendersternchen

Das Gendersternchen, auch bezeichnet als Asterisk oder Gender-Star, gilt als eine der am weitesten verbreiteten Varianten der gendergerechten Sprache. Durch den Stern sollen nicht nur das männliche und weibliche Geschlecht sichtbar gemacht werden, sondern auch alle anderen Genderidentitäten, für die es keine grammatikalische Entsprechung gibt. Die Strahlen des Sterns stehen dabei symbolisch für die unterschiedlichen Identitäten.¹

Im Text wird der Genderstern zwischen die maskuline und die feminine Wortendung gesetzt. Da das Wort «Student» beispielsweise in «Studentin» enthalten ist, kann es als «Student*in» gegendert werden. Haben die geschlechtsspezifischen Formen eines Wortes nicht denselben Stamm (zum Beispiel «Arzt» und «Ärztin») oder ist die maskuline Endung nicht in der femininen Form enthalten (zum Beispiel «Experte» und «Expertin»), sollte der Genderstern nicht verwendet werden.

Wie wird das Gendersternchen richtig geschrieben?

Schwierigkeiten mit dem Gendersternchen entstehen häufig dann, wenn die Silbentrennung ins Spiel kommt. Über die Frage, ob es Student-*in oder Student*-in heißt, gibt es keine einheitliche Meinung, weswegen empfohlen wird, die Silben schlicht und einfach nicht zu trennen. Eine Ausnahme stellen Komposita dar: Das Wort «Psychologiestudent*innen» kann selbstverständlich als «Psychologie-student*innen» getrennt werden.

Ebenfalls möglich ist die Aufzählung mehrerer gegenderter Wörter mit Bindestrich. «Student*innen und Dozent*innen» kann zu «Student- und Dozent*innen» gekürzt werden, denn der Bindestrich fungiert als Verbindung beider Wörter. Somit gilt das Gendersternchen auch für das erstgenannte Wort, obwohl es nur im zweiten genutzt wurde.²

Wie weit ist das Gendersternchen verbreitet?

Bisher wird das Gendersternchen nicht vom Duden empfohlen. Trotzdem hat es sich in der Gesellschaft und sogar in der Wissenschaft stärker durchgesetzt im Vergleich zu vielen anderen Gender-Formen. Als große Institutionen, die den Genderstern verwenden, sind der NDR oder die Stadtverwaltung von Stuttgart anzuführen.

Die meisten Hochschulen erlauben den Gebrauch, an einigen ist er sogar verpflichtend. Trotz dieser Beliebtheit solltest du in den Richtlinien deiner Universität nachsehen oder eine Betreuungsperson fragen, bevor du den Genderstern in einer wissenschaftlichen Arbeit nutzt.

Neben der geschlechtergerechten Sprache darf selbstverständlich auch die Barrierefreiheit von Texten nicht vergessen werden. Hier wird das Gendern mit Sonderzeichen zum Problem: Lesende mit Sehbehinderungen nutzen häufig Vorleseprogramme, die nicht wissen, wie sie den Genderstern aussprechen sollen. Manchmal lesen sie dann nur die weibliche Form vor und sorgen so für Verwirrung, in anderen Fällen wird das Sternchen mitgesprochen. Schließt deine Leserschaft Menschen mit Sehbehinderung ein, solltest du den Genderstern daher nicht verwenden.

Die Vor- und Nachteile vom Gendersternchen

Vorteile Nachteile
spart Platz im Text kann Texte unübersichtlich machen, wenn er übermäßig verwendet wird
macht mehr als nur zwei Geschlechtsidentitäten sichtbar ist nicht barrierefrei, denn Vorleseprogramme können ihn nicht aussprechen
ist weit verbreitet und fast allen Menschen bekannt ist in der amtlichen Rechtschreibung nicht anerkannt

Gendersternchen: Darauf musst du achten

Das Gendersternchen wurde von der amtlichen Rechtschreibung noch nicht anerkannt. Somit existieren keine gesetzlich vorgeschriebenen Regeln zu seiner Verwendung. Durch die große Popularität des Gendersterns gibt es mittlerweile übliche Schreibweisen, auf die sich die meisten Menschen wortlos einigen. Für den Fall, dass die Richtlinien deiner Hochschule von diesem Konsens abweichen, solltest du dennoch nachfragen, bevor du das Gendersternchen in einer wissenschaftlichen Arbeit nutzt.

Um den Genderstern richtig zu verwenden, musst du drei verschiedene Fälle beachten. Dazu zählen Wörter mit dem gleichen Stamm, Wörter mit unterschiedlichem Stamm sowie Artikel und Pronomen.

Gendersternchen bei Wörtern mit gleichem Stamm

Die meisten Wörter, bei denen die maskuline und feminine Form den gleichen Wortstamm haben, lassen sich mit dem Genderstern einfach gendern. Es kann jedoch auch vorkommen, dass die maskuline Wortendung in der femininen Wortform gar nicht enthalten ist. Das ist beispielsweise bei Wörtern wie «Kollege» und «Kollegin» oder «Experte» und «Expertin» der Fall.

Ob die maskuline Wortendung enthalten ist, kannst du mit der Weglassprobe überprüfen:

  • Ist das Wort noch vollständig, wenn du nur den Wortteil vor dem Genderstern liest? (nicht gegeben bei «Kolleg*in» – es heißt «Kollege», nicht «Kolleg»)
  • Ist das Wort weiterhin sinnvoll, wenn du es ohne Stern liest? (nicht gegeben bei «Kollege*in» – es heißt «Kollegin», nicht «Kollegein»)

Stößt du bei der Weglassprobe auf Probleme, solltest du das Gendersternchen umgehen, indem du beispielsweise eine neutrale Formulierung wählst.

Beispiel:

Falsch: Kolleg*in

Richtig: Student*in

Alternative Formulierung: Person aus dem Kollegium

Gendersternchen bei Wörtern mit unterschiedlichem Wortstamm

Du solltest das Gendersternchen nicht nutzen, wenn die maskuline und feminine Form eines Wortes nicht über denselben Wortstamm verfügen. Es kann dann hilfreich sein, stattdessen auf eine neutrale Formulierung zurückzugreifen.

Beispiel:

Falsch: Ärzt*in oder Arzt*in

Richtig: Mediziner*in

Gendersternchen bei Artikeln und Pronomen

Das Gendern von Artikeln und Pronomen funktioniert im Wesentlichen ähnlich wie bei Substantiven. Gibt es einen identischen Wortstamm, kann das Gendersternchen einfach zwischen die maskuline und feminine Wortendung gesetzt werden. Verfügen Artikel oder Pronomen nicht über denselben Wortstamm, solltest du auf den Genderstern verzichten.

Beispiel:

Falsch: der*die, er*sie

Richtig: ein*e, jede*r

Komposita mit Gendersternchen

Als Komposita werden zusammengesetzte Wörter bezeichnet. Beim Gendern sind die Komposita relevant, die über mindestens einen personenbezogenen Wortteil verfügen, also beispielsweise «Studentenverbindung» oder «Expertengespräch». Das Gendersternchen sollte auch bei Komposita nur dann genutzt werden, wenn sich trotz des Sonderzeichens ein sinnvolles Wort ergibt.

Beispiel:

Falsch: Expert*innengespräch («Expert» ist kein sinnvolles Wort)

Richtig: Student*innenverbindung

Bei einigen Komposita kann der personenbezogene Teil des Wortes umformuliert werden. Das ist vor allem dann von Bedeutung, wenn das Gendern das Wort unverständlich gemacht hätte.

Beispiel:

Falsch: Bürger*innensteig statt Bürgersteig («Bürgerinnensteig» ist kein sinnvolles Wort)

Richtig: Gehsteig statt Bürgersteig

Tipp: Einige Komposita sind im Amtsdeutsch festgelegt, beispielsweise die Wörter «Kanzleramt» oder «Ministerkonferenz». Diese darfst du in deiner wissenschaftlichen Arbeit nicht eigenmächtig ändern, auch dann nicht, wenn du alle anderen Wörter genderst.²

Aussprache vom Gendersternchen

Wenn du eine wissenschaftliche Arbeit präsentieren oder verteidigen musst, solltest du wissen, wie du gegenderte Wörter aussprechen kannst. Dafür machst du anstelle des Gendersternchens einfach eine kurze Sprechpause, die auch als Glottisschlag bezeichnet wird. Das gegenderte Wort «Student*in» wird also als «Student-in» gesprochen.

Leider ist es möglich, dass das Sprechen des Gendersternchens umständlich und für die Zuhörerschaft schwer verständlich ist. Das kommt beispielsweise bei gegenderten Artikeln und Pronomen vor: Die Wortform «jede*r Proband*in» ist nicht nur schwer zu sprechen, sondern auch anstrengend anzuhören. In diesen Fällen bieten sich neutrale Formulierungen wie «alle Testpersonen» an.²

Übrigens: Der Glottisschlag ist keine Erfindung des Genderns, sondern bereits von vielen Wörtern mit aufeinanderfolgenden Vokalen bekannt («be-achten», «The-ater»).

Das Gendersternchen umgehen

Das Gendersternchen ist vermutlich die am weitesten verbreitete Form der gendersensiblen Sprache. Viele Hochschulen erlauben sie nicht nur, sondern schreiben sie sogar vor. Dennoch können durch die Verwendung des Gendersterns grammatikalisch falsche oder schwer lesbare Wortformen entstehen. Um das zu vermeiden, kannst du in solchen Fällen eine neutrale Formulierung anstelle eines gegenderten Wortes einsetzen.

Tipp: Mit dem Gendersternchen gegenderte Wortformen und neutrale Formulierungen kannst du ohne Probleme miteinander kombinieren. Du solltest jedoch keine unterschiedlichen Gender-Varianten wie beispielsweise den Genderstern und den Doppelpunkt miteinander kombinieren. Eine solche uneinheitliche Schreibweise gilt als wissenschaftlich inkorrekt.

Beispiele neutraler Formulierungen ohne Gendersternchen

Wenn du dir unsicher bist, wie du gendern sollst, kannst du stattdessen eine neutrale Formulierung verwenden. Vor allem Worte, die in gegenderter Form schlecht lesbar oder gar grammatikalisch falsch wären, lassen sich mithilfe neutraler Formulierungen besser darstellen. Die folgenden Beispiele zeigen, wie das funktionieren kann.

1. Beispiel:

Falsch: Expert*in

Besser: Person mit Expertise

2. Beispiel:

Falsch: Kunden*innen

Besser: Kundschaft

3. Beispiel:

Falsch: Geschäftsführer*in

Besser: Geschäftsführung

4. Beispiel:

Falsch: Gastronomiefachmann*frau

Besser: Gastronomiefachkraft

Häufig gestellte Fragen

Als Gendersternchen bezeichnet man das Sonderzeichen *, wenn es im Zusammenhang mit gendergerechter Sprache eingesetzt wird. Der Stern symbolisiert dabei die Vielfalt der Geschlechtsidentitäten.

Der Genderstern wird zwischen der maskulinen und der femininen Endung des Wortes platziert, also beispielsweise vor dem «in» in «Student*in».

Das Gendersternchen ist nicht geeignet, wenn die geschlechtsspezifischen Formen eines Wortes nicht über denselben Stamm verfügen oder wenn die maskuline Endung nicht in der femininen Form des Wortes enthalten ist.

Das Gendersternchen kann mehr als zwei Geschlechter sichtbar machen, zudem spart es im Fließtext Platz und ist sehr weit verbreitet.

In der gesprochenen Sprache steht anstelle des Gendersterns eine kurze Sprechpause, die auch als Glottisschlag bezeichnet wird.

Quellen

¹ Universität Bielefeld: Gendersternchen: Was ist das?, in: Gendersensible Sprache, o.D. [online] https://www.uni-bielefeld.de/verwaltung/refkom/gendern/gendersternchen/ (abgerufen am 25.10.2022)

² genderleicht.de: Der*die*das Stern*chen, in: genderleicht.de, o.D. [online] https://www.genderleicht.de/genderstern/ (abgerufen am 25.10.2022)