
Die Literatur bietet mit Gedichten einen besonderen Weg, vielschichtige Themen und GefĂŒhle auf kreative Art auszudrĂŒcken. Als sprachliche Ausdrucksform können Gedichte tiefgrĂŒndige Einsichten in die menschliche Natur und Gesellschaft geben. âDer Zauberlehrlingâ von dem deutschen Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe ist eine Ballade, die heutzutage noch als Inspiration fĂŒr viele Bereiche dient. Im Folgenden findest du alles, was du zu dem Gedicht wissen solltest.
Inhaltsangabe: âDer Zauberlehrlingâ
âDer Zauberlehrlingâ von Johann Wolfgang von Goethe erzĂ€hlt die Geschichte eines Lehrlings, der die Zauberkunst seines Meisters erlernt hat. Als sein Meister das Haus verlĂ€sst, beschlieĂt der Lehrling, einen Besen mit einem Zauberspruch zum Leben zu erwecken, um ihm bei den Hausarbeiten zu helfen. Doch er verliert die Kontrolle ĂŒber die beschworenen Geister, und die Situation gerĂ€t auĂer Kontrolle, bis der Meister zurĂŒckkehrt und die Katastrophe beendet. Das Gedicht warnt vor den Gefahren der Ăberheblichkeit und der unkontrollierten Nutzung von Macht, wĂ€hrend es gleichzeitig die Bedeutung von Respekt und Verantwortung betont.
Volltext: âDer Zauberlehrlingâ
Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.
Seine Wortâ und Werke
Merkt ich und den Brauch,
und mit GeistesstÀrke
tu ich Wunder auch.
Walle! Walle!
Manche Strecke,
dass, zum Zwecke,
Wasser fliesse
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergiesse.
Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten LumpenhĂŒllen;
Bist schon lange Knecht gewesen;
Nun erfĂŒlle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Kopf,
Eile nun und gehe
mit dem Wassertopf!
Walle! Walle!
Manche Strecke,
dass, zum Zwecke,
Wasser fliesse
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergiesse.
Seht, er lÀuft zum Ufer nieder;
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
voll mit Wasser fĂŒllt!
Stehe! Stehe!
Denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen! â
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
hab ich doch das Wort vergessen!
Ach, das Wort, worauf am Ende
er das wird, was er gewesen.
Ach, er lÀuft und bringt behende!
WĂ€rst du doch der alte Besen!
Immer neue GĂŒsse
bringt er schnell herein,
Ach! und hundert FlĂŒsse
stĂŒrzen auf mich ein.
Nein, nicht lÀnger
kann ichâs lassen;
Will ihn fassen.
Das ist TĂŒcke!
Ach! nun wird mir immer bÀnger!
Welche Miene! welche Blicke!
O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich ĂŒber jede Schwelle
doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!
Willstâs am Ende
gar nicht lassen?
Will dich fassen,
will dich halten
und das alte Holz behende
mit dem scharfen Beile spalten.
Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
gleich, o Kobold, liegst du nieder;
Krachend trifft die glatte SchÀrfe.
Wahrlich! brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
und ich atme frei!
Wehe! Wehe!
Beide Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen MĂ€chte!
Und sie laufen! Nass und nÀsser
wirdâs im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches GewÀsser!
Herr und Meister! hör mich rufen! â
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist gross!
Die ich rief, die Geister,
werd ich nun nicht los.
In die Ecke,
Besen! Besen!
Seidâs gewesen.
Denn als Geister
ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
erst hervor der alte Meister.
Text als PDF-Datei
Die folgenden PDFs bieten dir die Möglichkeit, den Text des Gedichts «Der Zauberlehrling» direkt herunterzuladen. Du kannst wÀhlen, ob du den Text mit oder ohne Hervorhebungen der betonten Silben lesen möchtest.
Entstehung
| Autor | Johann Wolfgang von Goethe |
| Entstehungsjahr | 1797 |
| Epoche | Weimarer Klassik |
| Art | Ballade |
| Leitmotive |
|
Goethes Ballade âDer Zauberlehrlingâ entstand im Jahr 1797. Dieses Jahr markiert eine Phase intensiver dichterischer Zusammenarbeit zwischen Goethe und Friedrich Schiller und ist auch als das âBalladenjahrâ bekannt.
Die EntstehungshintergrĂŒnde des Gedichts sind im Kontext der deutschen Klassik zu sehen, die sich einerseits mit der Harmonisierung von Vernunft und GefĂŒhlen sowie andererseits mit der Erziehung des Menschen zu einer sittlichen Reife auseinandersetzte. So weist auch «Der Zauberlehrling» eine pĂ€dagogische Botschaft auf, die zur Vernunft aufruft und vor Leichtsinn und Ăbermut warnt.
Inhaltlich orientiert sich die Ballade an einer antiken ErzÀhlung («Philopseudes» von Lukian von Samosata), die von unkontrollierter Magie handelt. Goethe greift diese traditionelle ErzÀhlung auf und formt sie zu einer lehrreichen und humorvollen Ballade um, die den Konflikt zwischen menschlichem Hochmut und der notwendigen Beherrschung von Wissen und FÀhigkeiten thematisiert.
Aufbau
«Der Zauberlehrling» besteht aus insgesamt 14 Strophen, aufgeteilt in 7 «echte» Strophen und 7 eingerĂŒckte Refrainstrophen. Die «echten» Strophen und Refrainstrophen treten abwechselnd auf.
| "echte" Strophen | Refrainstrophen | |
| Anzahl | 7 von insgesamt 14 Strophen | 7 von insgesamt 14 Strophen |
| Verse | 8 Verse pro Strophe | 6 Verse pro Strophe |
| Reimschema | abab cdcd Kreuzreim |
effgeg umarmender Reim, Paarreim & Kreuzreim |
| Metrum | TrochÀus
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TrochÀus
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| Kadenz |
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Handlung & Interpretation
«Der Zauberlehrling» beginnt damit, dass der Meister das Haus verlĂ€sst und den Lehrling mit den Hausarbeiten zurĂŒcklĂ€sst. Der Lehrling sieht die Gelegenheit, seine neu erlernten FĂ€higkeiten zu testen, um die Arbeit zu erleichtern. Er beschwört einen Besen mittels Magie zum Leben, um ihm zu helfen, Wasser zu tragen und die aufgetragenen Aufgaben zu erledigen.
Der Höhepunkt des Gedichts ist, als der Lehrling die Kontrolle ĂŒber den Besen verliert. Trotz der Versuche, den Besen aufzuhalten, trĂ€gt dieser unaufhörlich Wasser und entwickelt sich zu einer unkontrollierbaren Kraft, die das Haus ĂŒberflutet. Der Lehrling ist machtlos gegen die von ihm entfesselte Macht und steht der von ihm herbeigefĂŒhrten Katastrophe gegenĂŒber.
Das Ende tritt ein, als der Meister zurĂŒckkehrt und die Situation behebt. Er macht den ursprĂŒnglichen Zauber rĂŒckgĂ€ngig und bringt den Besen wieder unter Kontrolle.
Das Gedicht dient als Mahnung, die Gefahren der Ăberheblichkeit zu erkennen und die Verantwortung mit Macht respektvoll zu handhaben. Es dient als Warnung vor einer unreflektierten Anwendung von Macht und Wissen.
DarĂŒber hinaus werden in dem Gedicht diverse Themen behandelt, deren Bedeutung nicht immer eindeutig erkenntlich ist. Die einzelnen Themen lauten wie folgt:
Hochmut und Ăberheblichkeit
Der Zauberlehrling hat zwar die Fertigkeiten von seinem Meister erlernt, jedoch verfĂŒgt er nicht ĂŒber die notwendige Reife und das vollstĂ€ndige Wissen, um mit solcher Macht verantwortungsvoll umzugehen. Die Situation gerĂ€t auĂer Kontrolle, als er seine Macht nicht mehr kontrollieren und den Zauber nicht umkehren kann.
Dies zeigt, dass bloĂes Wissen ohne die notwendige Weisheit gefĂ€hrlich ist. Die Ballade ist eine Warnung vor menschlichem Hochmut. Es veranschaulicht die Einstellung des Menschen, Dinge zu kontrollieren, die er nicht vollstĂ€ndig versteht.
Respekt und AutoritÀt
Das VerhĂ€ltnis zwischen dem Meister und dem Lehrling verdeutlicht den Wert und die Notwendigkeit von Erfahrung und AutoritĂ€t. Der Lehrling fĂŒhrt eine fĂŒr ihn unkontrollierbare Situation herbei, die schlieĂlich vom Meister gelöst werden muss. Dieser verfĂŒgt ĂŒber die FĂ€higkeiten, das Problem zu lösen.
Dies kann als Indikator darauf gedeutet werden, dass Erfahrung, Geduld und Weisheit unabdingbar sind. Auch der Respekt vor einer gewonnenen Macht und das Anerkennen von AutoritÀten kann hierbei erkannt werden.
Metapher fĂŒr die menschliche Natur
Die Ballade kann zudem als Metapher fĂŒr die Natur des Menschen verstanden werden. Dabei reprĂ€sentiert der Zauberlehrling den Menschen, der sich neues Wissen aneignet und dieses ĂŒberstĂŒrzt und unĂŒberlegt einsetzt, ohne die drohenden Konsequenzen zu beachten.
Die Handlungen des Zauberlehrlings kennzeichnen das ĂŒberstĂŒrzte und unkontrollierte Handeln des Menschen, das drohende Konsequenzen und Risiken auĂer Acht lĂ€sst und dementsprechend gegen das zur Zeit der Klassik vorherrschende Ideal der Harmonie zwischen Vernunft und GefĂŒhl verstöĂt.
Erzieherische Dimension
Die pĂ€dagogische Botschaft der Ballade beschreibt, dass der Zauberlehrling zwar ĂŒber Wissen und Fertigkeiten verfĂŒgt, um seine Macht auszuĂŒben, allerdings nicht die Reife und die FĂ€higkeiten besitzt, um seine Macht verantwortungsvoll einzusetzen und auch zu kontrollieren.
Das Gedicht betont, dass reines Wissen nicht ausreichend ist. Um eine angeeignete Macht oder Fertigkeit zu kontrollieren, bedarf es auch der FĂ€higkeit, diese Macht ĂŒberlegt und verantwortungsvoll einzusetzen.
Sprache
Die sprachlichen Besonderheiten des Gedichts ergeben sich daraus, dass die Ballade epische, dramatische und lyrische Elemente vereint. Durch die einheitliche Versstruktur und den einheitlichen Aufbau des Gedichts entsteht zudem eine rhythmische Struktur.
Das Gedicht hat keinen ErzÀhler, sondern folgt den Worten des Zauberlehrlings. Dies erzeugt eine besondere Dynamik und verstÀrkt die Darstellung der zunehmenden Panik und Verzweiflung des Zauberlehrlings, die sowohl auf erzÀhlerischer als auch auf sprachlicher Ebene erkennbar sind. Nur die letzte Refrainstrophe gibt die Worte des Meisters wider.
Zudem werden viele sprachliche Mittel innerhalb des Textes verwendet. Eine Ăbersicht ĂŒber die wichtigsten Stilmittel des Gedichts findest du im Folgenden:
Eine zentrale stilistische Besonderheit sind die vielen Wiederholungen. Diese Wiederholungen unterstreichen die unaufhaltsame Macht und die Dynamik der Handlung.
Die Anaphern tragen zur Steigerung der Dramatik bei. Diese sich wiederholenden SatzanfÀnge verleihen dem Gedicht ein rasches Tempo und spiegeln die steigende Hektik wider.
Goethe verwendet Alliterationen, um die klangliche Wirkung des Gedichts zu verstÀrken. Die wiederkehrenden Anfangsbuchstaben aufeinanderfolgender Wörter verleihen eine zusÀtzliche klangliche Dimension.
Die Personifikation des Besens unterstĂŒtzt die Botschaft des Gedichts. Der Besen erhĂ€lt menschliche Eigenschaften und agiert eigenstĂ€ndig, was die groteske Situation des Lehrlings noch verstĂ€rkt.
Der Lehrling verwendet Imperative, um Befehle zu geben und die Situation unter Kontrolle zu bringen. Die Befehle verstĂ€rken das GefĂŒhl der Dringlichkeit und zeigen die zunehmende Verzweiflung.
Der Zauberlehrling von Paul Dukas
«Der Zauberlehrling» (Originaltitel: LâApprenti sorcier) von Paul Dukas ist eine sinfonische Dichtung, basierend auf der Ballade von Johann Wolfgang von Goethe. Das Werk wurde 1897 komponiert und ist eines der bekanntesten Werke von Dukas.
Besondere Relevanz erhielt die Komposition auch durch Disneys Verfilmung von «Fantasia» (1940), wo Micky Maus die Rolle des Zauberlehrlings ĂŒbernimmt.
Musikalische Umsetzung
Paul Dukas setzt diese Geschichte in seiner Komposition mit einer klaren musikalischen Struktur um. Die Musik beginnt ruhig und beschreibt die Vorbereitungen des Lehrlings. Daraufhin spiegelt die Musik mit zunehmender IntensitÀt das unkontrollierte Chaos wider, als der Besen immer mehr Wasser herbeibringt.
Die wiederholten musikalischen Themen und die dynamische Steigerung der Musik reprÀsentieren die zunehmende Verzweiflung des Zauberlehrlings, bevor der Meister das Chaos mit einem finalen musikalischen Höhepunkt abrupt beendet.
HĂ€ufig gestellte Fragen
Die Geschichte warnt vor den Gefahren der Ăberheblichkeit und der unkontrollierten Nutzung von Macht.
Es handelt sich bei «Der Zauberlehrling» um eine Ballade, also eine Gedichtform, die eine narrative Geschichte erzÀhlt und oft von Dramatik und Rhythmus geprÀgt ist.
In «Der Zauberlehrling» will der Zauberlehrling, in Abwesenheit seines Meisters, einen Zauberspruch nutzen, um einen Besen dazu zu bringen, Wasser fĂŒr ihn zu holen. ZunĂ€chst gelingt der Zauber, doch der Lehrling verliert die Kontrolle, da er den Spruch nicht rĂŒckgĂ€ngig machen kann. Der Besen bringt immer mehr Wasser herbei, bis der Lehrling in seiner Verzweiflung erfolglos versucht, ihn zu stoppen. SchlieĂlich kehrt der Meister zurĂŒck und beendet den Zauber.
Neben seiner EingĂ€ngigkeit und seiner kraftvollen Sprache bietet das Gedicht zeitlose Lehren ĂŒber die menschliche Natur und die Verantwortung im Umgang mit Macht.