Formen der Beobachtung – Arten und Unterschiede

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Formen-der-Beobachtung-Definition

Bei Untersuchungen für eine wissenschaftliche Arbeit kannst du die Beobachtung als deine Methodik verwenden, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Formen der Beobachtung werden vermutlich am häufigsten verwendet, um beispielsweise soziale Verhaltensweisen in Aktion und Reaktion zu untersuchen. Die Formen der Beobachtung gehören deshalb zu den vier zentralen Methoden der empirischen Sozialforschung.

Formen der Beobachtung «einfach erklärt»

Mit den Formen der Beobachtung lassen sich Gegenstände oder Objekte ebenso untersuchen wie Verhalten, Vorgänge oder auch Phänomene. Sie gehören zu den zentralen Methoden für die Erarbeitung einer wissenschaftlichen Arbeit. Es gibt 3 Faktoren, die ausschlaggebend für das jeweilige Ergebnis deiner Beobachtung sind: Beobachterposition, Beobachtungssituation, Datenerhebungsverfahren. 

Definition: Formen der Beobachtung

Unter der Beobachtung als wissenschaftliche Forschungsmethode versteht man jede Art von Prozess, um verschiedene Objekte, Situationen oder Phänomene wie zum Beispiel das soziale Verhalten in bestimmten Situationen von einzelnen Menschen oder einer Gruppe von Menschen zu untersuchen. Dabei bedient man sich sowohl visueller als auch auditiver Möglichkeiten zur Erfassung. Formen der Beobachtung dienen als Basis für die spätere Analyse.1

Man kann sie aber nicht nur für das Ergründen von Verhalten von Mensch und Tier verwenden, sondern auch von Gegenständen, der Wetterentwicklung und vielen mehr nutzen. Die verschiedenen Formen der Beobachtung stellen wir dir hier im Einzelnen vor.

Die Formen der Beobachtung im Überblick

Es gibt verschiedene Formen der Beobachtung und  je nach Einsatzgebiet musst du dich entscheiden, welche für deine Fragestellung zu den besten Ergebnissen führt. Deine Beobachterposition, die gewählte Beobachtersituation sowie das von dir angewendete Datenerhebungsverfahren für deine Forschung wählst du am besten in Absprache mit deinen Professoren. Die folgende Liste zeigt dir, über welche Arten du dir Gedanken machen musst.1; 2

  • Beobachterposition
    • Selbst- und Fremdbeobachtung
    • Teilnehmende und nicht teilnehmende Beobachtung
  • Beobachtungssituation
    • Offene und verdeckte Beobachtung
    • Feld- und Laborbeobachtung
  • Datenerhebungsverfahren
    • Systematische und unsystematische Beobachtung
    • Direkte und indirekte Beobachtung
    • Vermittelte und unvermittelte Beobachtung

Welche Form der Beobachtung für welche Fragestellung am besten geeignet ist, erklären wir dir in diesem Artikel.

Qualitative und quantitative Beobachtung

Eine Beobachtung kann grundsätzlich auf zwei verschiedene Arten ausgeführt werden:

Die qualitative und quantitative Beobachtung sind sehr unterschiedliche Formen der Beobachtung. Welche sich am besten für deine Arbeit eignet, entscheidest du aufgrund deiner Forschungsfrage.2

Die qualitative Methode wird als interpretative Beobachtungsmethode bezeichnet und wird verwendet, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und weitere Thesen aus den erarbeiteten Ergebnissen zu folgern:

Beispiel: qualitative Beobachtung

Du willst wissen, ob die Mehrheit der Tiere morgens, mittags oder abends isst – oder ob alle, wann immer es möglich ist, essen. Daraus ergibt sich eventuell die Hypothese dass die meisten Tiere am liebsten morgens essen, woraus du neue Thesen schlussfolgern kannst.

In der quantitativen Vorgehensweise überprüfst du gezielt einen Sachverhalt, den du durch eventuelle Berechnungen erwartet hast. Durch Beobachtung willst du Fakten erhalten, die sich dafür eignen, deine Hypothese zu überprüfen/bestätigen:

Beispiel: quantitative Methode

Du willst beobachten wie viele Menschen täglich einen Supermarkt betreten, um damit eine Hypothese zu prüfen, die sich mit dem Einkaufsverhalten der Bevölkerung befasst.

Formen der Beobachtung: Beobachterposition

Du bist der Beobachter, deshalb geht es um deine Position beim Beobachten. Bist du Teil deiner Beobachtung oder nicht? Bei manchen Themen kann es hilfreich sein, beide Formen der Beobachtung (nur du oder andere Personen) zum Vergleich durchzuführen. Die Thesen, die deine persönlichen Beobachtungen stützen, werden vielleicht von einer Gruppe widerlegt.

Hier gibt es die folgenden zwei Unterscheidungen:

  • Selbst- und Fremdbeobachtung
  • Teilnehmende und nicht teilnehmende Beobachtung

Selbst- und Fremdbeobachtung

In einer Selbstbeobachtung bist du der einzige Proband, den du beobachtest. Die Fremdbeobachtung kannst du bei Bedarf zum Vergleich zur Selbstbeobachtung hinzuziehen – oder sie als deine einzige Beobachtungsmethode wählen.3

Selbstbeobachtung Fremdbeobachtung
Vorteile:
  • Nähe zum Beobachtungsobjekt
  • Objektivität
  • Hohe Genauigkeit
Nachteile:
  • Objektivität wird beeinflusst
  • Distanz zum Beobachtungsobjekt

Teilnehmende und nicht teilnehmende Beobachtung

Diese Formen der Beobachtung lassen sich am Beispiel einer Diskussionsrunde erklären, an welcher du als Beobachter teilnehmen kannst oder nicht. Die eigenen Beiträge müssen ebenso notiert werden, wie alle anderen auch. Ebenso musst du natürlich angeben, wenn du die teilnehmende Methode aus den Formen der Beobachtung gewählt hast.

Teilnehmende Beobachtung
Nicht teilnehmende Beobachtung
Vorteile:
  • Nähe zum Beobachtungsobjekt
  • Fokus auf Beobachtung
  • Steuerung des Geschehens
  • Beobachtung der Gesamtsituation
Nachteile:
  • Einflussnahme
  • Distanz zum Beobachtungsobjekt
  • Ablenkung durch aktive Teilnahme
  • Einflussnahme durch Gefühl der Beobachtung

Formen der Beobachtung: Beobachtungssituation

Gerade in der Psychologie kann es wichtig sein, eine verdeckte Beobachtungssituation vorzuziehen. Das gilt für Kinder, die sich unbeobachtet fühlen sollen, ebenso wie die Beobachtung von schwer psychisch Kranken. Ebenso lässt sich nicht alles unter natürlichen Bedingungen beobachten, sodass du die Laborbeobachtung vorziehen solltest, um aussagekräftige Resultate zu erhalten. Deshalb werden die Formen der Beobachtung in verschiedene Beobachtungssituationen unterteilt.2

Hier gibt es die folgenden zwei Unterscheidungen:

  • Offene und verdeckte Beobachtung
  • Feld- und Laborbeobachtung

Offene und verdeckte Beobachtung

Manchmal ist es für das Untersuchungsergebnis besser, wenn der Versuchsteilnehmer verdeckt beobachtet wird, da er so weniger Stress empfindet und seine Handlungen natürlicher sind. Bei dieser Methode weiß der Teilnehmer nicht, dass er beobachtet wird. Bei der offenen Beobachtung weiß der Teilnehmer, dass er beobachtet wird. Der Vorteil für den Beobachter ist, dass er auch kleinere Reaktionen wahrnehmen kann, weil er näher am Versuchsobjekt ist.2; 3

Offene Beobachtung Verdeckte Beobachtung
Vorteile:
  • Nähe zum Beobachtungsobjekt
  • Keine Einflussnahme
Nachteile:
  • Einflussnahme durch Gefühl der Beobachtung
  • Natürliches Verhalten wird erfasst
  • Frage nach der Ethik

Feld- und Laborbeobachtung

Unter den Formen der Beobachtung ist vermutlich die Feldbeobachtung eine der beliebtesten Methoden. Sie wird unter natürlichen Bedingungen durchgeführt. Beispielsweise bei spielenden Kindern im Kindergarten oder bei Schülern innerhalb ihrer Schulklasse.

Die Laborbeobachtung eignet sich zum Beispiel dafür, das Surfverhalten von Menschen im Internet zu untersuchen. Diese Art der Untersuchung findet oft im Labor statt, da hier jede Testperson unter denselben Bedingungen arbeitet.3

Feldbeobachtung
Laborbeobachtung
Vorteile:
  • Natürliches Umfeld besteht
  • Optimale Bedingungen
  • Natürlichkeit der Gesamtsituation
  • Kontrolle der Einflussfaktoren
Nachteile:
  • Begrenzte Möglichkeit der Beobachtung
  • Künstliche Umgebung
  • Keine Kontrolle der Einflussfaktoren
  • Natürlichkeit der Situation fehlt

Formen der Beobachtung: Datenerhebung

Deine Daten können auf unterschiedlichste Art und Weise ausgewertet werden. Dein Datenerhebungsverfahren entscheidest du anhand daran, wie du hierbei vorgehen möchtest.4

Hier gibt es die folgenden drei Unterscheidungen:

  • Systematische und unsystematische Beobachtung
  • Direkte und indirekte Beobachtung
  • Vermittelte und unvermittelte Beobachtung

Systematische und unsystematische Beobachtung

Systematisch bedeutet hier, dass die Daten nach exakten Vorgaben, was wie und wann erhoben werden soll, beobachtet und notiert/protokolliert werden, sodass Erhebung und Protokoll eine Struktur haben. Unsystematische Beobachtungen hingegen erhalten nur grobe Vorgaben.4; 5

Systematische Beobachtung Unsystematische Beobachtung:
Vorteile:
  • Unkomplizierte Auswertung
  • Fokus auf Gesamtsituation
  • Fokus auf das Relevante
  • Hohe Flexibilität
Nachteile:
  • Keine Flexibilität
  • Kompliziertere Auswertung
  • Zusatzinformationen gehen verloren
  • Mangelnder Fokus möglich

Direkte und indirekte Beobachtung

Bei der direkten Beobachtung bist du zum Beispiel in einem Kindergarten direkt bei den Kindern und notierst das Verhalten, die indirekte Beobachtung führst du durch, nachdem die Kinder weg sind und vielleicht ein Chaos hinterlassen oder aber aufgeräumt haben.2; 6

Direkte Beobachtung: Indirekte Beobachtung:
Vorteile:
  • Nähe zum Beobachtungsobjekt
  • Neuer Blickwinkel
  • Beobachtung des Geschehens
  • Keine Einflussnahme
Nachteile:
  • Einflussnahme
  • Nur die Beobachtung der Auswirkungen
  • Nur Rückschlüsse auf das Geschehene möglich

Vermittelte und unvermittelte Beobachtung

Die vermittelte Beobachtung wird mit technischen Hilfsmitteln wie Foto- oder Videokameras durchgeführt. Anhand der so entstandenen Aufnahmen kann das Verhalten der Teilnehmer später analysiert werden. Die Anwesenheit des Beobachters wäre hier nicht zwingend notwendig. Bei der unvermittelten Beobachtung werden außer Papier und Stift keine technischen Hilfsmittel verwendet. Der Beobachter erfasst die Situationen aus nächster Nähe.5; 6

Vermittelte Beobachtung Unvermittelte Beobachtung
Vorteile:
  • Keine Einflussnahme
  • Nähe zum Beobachtungsobjekt
  • Einsatz von Technik
  • Erfassung der Stimmung/ Atmosphäre
Nachteile:
  • Distanz zum Beobachtungsobjekt
  • Einflussnahme
  • Technik kann versagen

Häufig gestellte Fragen

Die sogenannte wissenschaftliche Beobachtung ist eine Forschungsmethode. Beobachtet werden meistens Menschen oder Tiere in ihrem interaktiven Verhalten oder auch Gegenstände in anderen Prozessen. Dabei gibt es verschiedene Formen der Beobachtung, die unterschiedliche Besonderheiten aufweisen. Die Beobachtungen werden vermerkt und später analysiert.1

Zu den Formen der Beobachtung gehören auch die Beobachterpositionen. Bei der Selbstbeobachtung protokollierst und analysierst du dein eigenes Verhalten. Im Gegensatz dazu steht die Fremdbeobachtung, bei der du auf die gleiche Weise andere Menschen beobachtest.2

Die Feld- und Laborbeobachtung gehört innerhalb der Formen der Beobachtung zu den Beobachtungssituationen. Die Feldbeobachtung untersucht das natürliche Verhalten und ist daher nicht vorhersehbar. Eine Laborbeobachtung ist eine künstliche Situation, welche speziell konstruiert wurde, um unvorhergesehene Störfaktoren auszuschließen.3

Ja, denn die Formen der Beobachtung müssen nicht alle und auch nicht in einer bestimmten Reihenfolge durchlaufen werden, um zu einem wissenschaftlich brauchbaren Ergebnis zu kommen. Gleichwohl kann es hilfreich sein, zum Beispiel sowohl visuell als auch auditiv zu beobachten oder anhand prozessgenerierter Daten mehr Hintergrundwissen über die Zielgruppen, die beobachtet werden sollen, zu haben.

Entscheide dich immer im Sinne deiner Forschung für deine jeweilige wissenschaftliche Arbeit. Je mehr Daten du durch verschiedene Beobachtungstechniken zusammenträgst, umso mehr verdichten sich deine Ergebnisse. Das Ergebnis der einen Beobachtung könnte ganz oder teilweise durch zusätzlich angewandte Formen der Beobachtung bestätigt – oder auch widerlegt werden.4; 6

Quellen

1 Universität zu Köln, humanwissenschaftliche Fakultät: Beobachten und Dokumentieren, in: hf.uni-koeln.de, WS 2004/2005, [online] https://www.hf.uni-koeln.de/data/eso/File/Schaefer/WahrnehmenUndDenken4.pdf (abgerufen am 25.12.2022)

2 Technische Universität Berlin: Was sind Methoden der empirischen Sozialforschung?, in: mes.tu-berlin.de, 2009, [online] http://www.mes.tu-berlin.de/fileadmin/fg224/Baur-WasSindMethoden.pdf (abgerufen am 25.12.2022)

3 Ruhr-Universität Bochum: Beobachtungen aufschreiben, in: methodenzentrum.ruhr-uni-bochum.de, o. D., [online] https://methodenzentrum.ruhr-uni-bochum.de/e-learning/qualitative-erhebungsmethoden/qualitative-beobachtungsverfahren/beobachtungen-aufschreiben/ (abgerufen am 25.12.2022)

4 Wirtschaftspsychologische Gesellschaft: Erhebungsmethode richtig wählen: Befragung oder Beobachtung?, in: wpgs.de, o. D., [online] https://wpgs.de/fachtexte/forschungsdesigns/erhebungsmethode-forschung-befragung-oder-beobachtung/ (abgerufen am 25.12.2022)

5 Ludwig-Maximilians-Universität München: Beobachtung, in: edu.lmu.de, o. D., [online] https://www.edu.lmu.de/uni-klassen/beobachtung/index.html (abgerufen am 25.12.2022)

6 Universität Bielefeld, Zentrum Praxisreflexion in der Lehrer*innenbildung: Beobachtung im Lehramtsstudium, in: uni-bielefeld.de, o. D., [online] https://www.uni-bielefeld.de/einrichtungen/bised/forschung-entwicklung/praxisreflexion/angebote-fur-studierende/beobachtung.xml (abgerufen am 25.12.2022)