Füllwörter – Diese Wörter solltest du vermeiden

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Füllwörter-Definition

Füllwörter verlängern Sätze, wirken umgangssprachlich und verlangsamen den Lesefluss. Sie sind für die Bedeutung des Satzes unerheblich und folgen keiner grammatischen Notwendigkeit. Wir zeigen dir, wie du Füllwörter beim wissenschaftlichen Schreiben erkennst, vermeidest und ob es Fälle gibt, in denen sie nützlich sind. Außerdem haben wir dir eine Liste mit einer Übersicht von häufigen Füllwörtern angefertigt.

Füllwörter «einfach erklärt»

Füllwörter sind Wörter in einem Satz, die keine Aussagekraft haben und somit keinen Mehrwert bieten. In wissenschaftlichen Arbeiten solltest du auf Füllwörter bestmöglich verzichten.

Definition: Füllwörter

Füllwörter sind Wörter, die keinen relevanten Beitrag zur Bedeutung des Satzes leisten. In der Regel handelt es sich dabei um Adjektive, Adverbien oder Partikel.1 Ferner sind sie aus grammatischer Sicht entbehrlich, das heißt: nicht erforderlich, um einen regelkonformen Satz zu bilden. Oft entstehen Füllwörter durch die unbewusste Übernahme von gesprochener Sprache in schriftsprachliche Texte.

Während Füllwörter in der gesprochenen Sprache üblich sind, führen sie in der Schriftsprache zu ineffizienten Satzgebilden, unerwünschter Umgangssprache und leseflusshemmenden Verschachtelungen. In wissenschaftlichen Texten erzeugen Füllwörter begriffliche Unschärfe, da sie entweder Distanz zur Aussage des Satzes aufbauen oder ihn um eine undeutliche Eigenschaft erweitern.

Füllwörter: Beispielformulierungen

Da Füllwörter nicht immer auf Anhieb zu erkennen sind, werden dir im Folgenden ein paar Beispiele aufgelistet.

Mit Füllwort:
Es handelt sich sozusagen um eine Hyrbid-Theorie, die sich relativ deckungsgleich aus den Aussagen von These A und These B konstituiert.

Ohne Füllwort:
Es handelt sich um eine Hybrid-Theorie, die sich deckungsgleich aus den Aussagen von These A und These B konstituiert.

Mit Füllwort:
Aus diesem Grund ist vor allen Dingen davon auszugehen, dass die Hypothese, wenn zumindest Fall X eintritt, nicht mehr bestehen kann.

Ohne Füllwort:
Daher ist anzunehmen, dass die Hypothese, wenn Fall X eintritt, nicht mehr bestehen kann.

Mit Füllwort:
Anscheinend hatte Napoleon den russischen Winter bei seiner Planung nicht ausreichend berücksichtigt.

Ohne Füllwort:
Napoleon hatte den russischen Winter bei seiner Planung nicht ausreichend berücksichtigt.

Mit Füllwort:
Selbstverständlich ergibt sich daraus noch keine Antwort auf die Forschungsfrage, doch (…)

Ohne Füllwort:
Daraus ergibt sich keine Antwort auf die Forschungsfrage, doch (…)

Liste an Füllwörtern

Wir haben eine Liste von Füllwörtern zusammengestellt, die du in einer wissenschaftlichen Arbeit vermeiden solltest. Bedenke, dass die enthaltenen Wörter nicht immer als Füllwörter auftreten, sondern auch sinnvoll in einen Text integriert werden können. Prüfe im Zweifelsfall, ob sie einen wichtigen Beitrag leisten oder ob dein Text auch ohne sie auskommt.

anscheinend eigentlich folgendermaßen
ausnahmslos ein bisschen fortwährend
augenscheinlich einfach fraglos
ausdrücklich einigermaßen freilich
bei weitem einmal ganz gewiss
besonders endlich ganz und gar
bestenfalls erheblich gar
bestimmt etwa gelegentlich
demgegenüber etwas genau
echt fast gerade
geradezu hier und da in gewisser Weise
gesagt ich glaube infolgedessen
gewiss ich sage mal inzwischen
gewissermaßen im Prinzip irgend
gewöhnlich immer irgendwann
gleichsam in Wahrheit irgendwie
grundsätzlich in aller Deutlichkeit irgendwo
gänzlich in der Regel ja
halt in diesem Zusammenhang jede
hervorragend in etwa kaum
keinesfalls meist nie
keineswegs meistenteils niemals
letzten Endes mutmaßlich normalerweise
letztendlich möglicherweise nun
mal nachhaltig nur
man könnte sagen natürlich offenbar
manchmal nämlich offenkundig
maßgeblich nicht wahr oft
mehrere nichtsdestotrotz ohne Umschweife
meiner Meinung nach nichtsdestoweniger ohne Zweifel
plötzlich sozusagen weitgehend
praktisch streng wenige
regelrecht unbedingt wenigstens
relativ ungefähr wieder
ruhig unlängst wieder einmal
schon unsinnige wirklich
sehr ursprünglich wohl
selbstredend vergleichsweise ziemlich
seltsamerweise vielfach zugegeben
sicher vielleicht zweifellos
sicherlich völlig zweifelsohne
sogar vollkommen überhaupt
sogleich vor allemwohl übrigens
sonst wahrscheinlich

Deshalb solltest du Füllwörter vermeiden

Füllwörter liefern keinen inhaltlichen oder stilistischen Mehrwert. Sie erschweren den Leseprozess und verwässern die Aussagekraft der vorgebrachten Argumente. Häufig suggerieren sie Unsicherheit und einen verbalen Sicherheitsabstand zur getroffenen Aussage, indem sie Inhalte relativieren und/oder offenhalten, inwiefern sie wahrheitsgemäß oder relevant sind. Zudem erzeugen sie – meist unbeantwortete –  Anschlussfragen:2

Aussage Anschlussfrage
Dabei handelt es sich um ein relativ großes Gebäude. In Relation zu was?
Schon mit dem Sieg über Karthago erlangte die Römische Republik die Vorherrschaft über das Mittelmeer. Warum „schon“? Welcher Zeitplan wurde unterboten?
Damit hatte natürlich niemand gerechnet. Inwiefern ist es „natürlich“, dass niemand damit gerechnet hat? Was ist natürlich?

Darüber hinaus lenken Füllwörter vom Kern der Aussage ab, indem sie den Satz um Bedeutungsnuancen ergänzen, bei denen unklar ist, welchen Wert sie für den Rest des Satzes/Textes haben. Insbesondere in wissenschaftlichen Texten musst du jedes Wort auf die Goldwaage legen.

Wenn es für dein Forschungsthema keine relevante Bedeutung trägt, solltest du es entfernen. Ansonsten führst du deine Leser auf eine falsche Fährte oder erzeugst unbeabsichtigte, vom Thema abweichende Aussagen.

Füllwörter: So vermeidest du sie

Anstatt sich während des Schreibens auf die Vermeidung von Füllwörtern zu konzentrieren, solltest du einen späteren Arbeitsschritt für das Streichen überflüssiger Wörter und Sätze vorsehen. Dadurch kannst du dich erst auf die Textproduktion und anschließend auf seine Optimierung konzentrieren. Wenn du dennoch bereits während des Schreibprozesses auf Füllwörter achtgeben möchtest, solltest du folgende Punkte beherzigen:

Während des Schreibens

  • auf Adjektive und Adverbien verzichten
  • diese Wortarten nur einsetzen, wenn es dir zwingend erforderlich erscheint

Im Nachgang

  • Wörter probeweise aus dem Text entfernen
  • Wenn der Satz auch ohne das Wort die gewünschte Bedeutung zum Ausdruck bringt, kannst und solltest du es ersatzlos streichen

Wenn dir die Bedeutung des Wortes hingegen wichtig ist, der betreffende Satz aber schwer verständlich oder überladen wirkt, kannst du versuchen, ihn auf mehrere Sätze aufzuteilen.

In wissenschaftlichen Arbeiten ist es oft besser, beschreibenden Wörtern eigene Sätze zu widmen, anstatt sie aneinanderzureihen. Dadurch machst du deutlich, dass es sich tatsächlich um ein bedeutungstragendes Element deiner Arbeit und nicht um ein Füllwort handelt.

Wenn sich ein Füllwort nicht vermeiden lässt

Es gibt Fälle, in denen ein Wort, das normalerweise als Füllwort gilt, forschungsrelevante Bedeutungsnuancen oder -einschränkungen ergänzt. Falls dem so ist, solltest du in einem zusätzlichen Satz darauf aufmerksam machen. Dieser kann zum Beispiel darin bestehen, die durch das Füllwort aufgeworfene Frage (siehe oben) zu beantworten.

Häufig gestellte Fragen

Füllwörter sind ergänzende Wörter (meist Adjektive, Adverbien oder Partikel), die nicht erforderlich sind, um dem betreffenden Satz die gewünschte Bedeutung zu verleihen. Sie werden häufig unbewusst der Umgangssprache entnommen oder eingesetzt, um Bedeutung zu relativieren und/oder zu unterstreichen.

Ein Füllwort leistet keinen inhaltlichen Beitrag zum Text. Es verwässert die Aussage, indem es von ihrem Kern ablenkt und unwichtige Bedeutungsnuancen ergänzt.

Wenn du Füllwörter vermeiden möchtest, solltest du alle Wörter entfernen, die für die Bedeutung und grammatische Korrektheit deiner Sätze unwichtig sind. Versuche außerdem, klare Aussagen zu formulieren und diese nicht im selben Satz durch einzelne Wörter einzuschränken.

Fast jeder Text enthält Füllwörter. In manchen Fällen bringen sie relevante Bedeutungsnuancen zum Ausdruck. Sie sind immer dann überflüssig, wenn die enthaltene Bedeutungsnuance für das Thema des Textes unerheblich ist.

Es empfiehlt sich, Füllwörter erst nach dem Schreibprozess zu entfernen. Dadurch fällt es dir leichter, im Schreibfluss zu bleiben und die nachträgliche Optimierung des Textes aus einer Leserhaltung durchführen zu können.

Quellen

1 Spengel, Christoph: Wissenschaftliches Schreiben, in: Lehrstuhl für ABWL und Betriebswirtschaftliche Steuerlehre II der Universität Mannheim, o.D., [online] https://www.bwl.uni-mannheim.de/media/Lehrstuehle/bwl/Spengel/Dokumente/Lehre/Handbuch_Wissenschaftliches_Arbeiten/Handbuch_Wissenschaftliches_Schreiben.pdf (zuletzt abgerufen am 15.11.2022)

2 Jackob, Nikolaus : Die Kunst des Einfachen: Zehn Vorschläge für einen guten wissenschaftlichen Schreibstil, in: Fachjournalist, Heft 2, 2010, [online] https://www.studium.ifp.uni-mainz.de/files/2013/11/wissenschaftliches_schreiben.pdf (zuletzt abgerufen am 15.11.2022)