Umgangssprache – Darum sollst du sie vermeiden

Lesedauer: 7 Minuten
So hilfreich ist dieser Beitrag 0
Bewertung abgeben 0 Kundenbewertungen
Umgangssprache-Definition

Wissenschaftliche Arbeiten verlangen nach einem sachlichen, objektiven Sprachstil, der auf umgangssprachliche Phrasen verzichtet. Da es aber vielen Studienanfängern schwerfällt, sich einen wissenschaftlich-dezidierten Schreibstil anzueignen, haben wir diesen Ratgeber zusammengestellt. Dieser Beitrag hilft dir dabei, Umgangssprache in deinen Texten zu erkennen und durch fachsprachliche Aussagen zu ersetzen.

Umgangssprache «einfach erklärt»

Als Umgangssprache bezeichnet man die alltäglich gesprochene Sprache, die in den meisten Fällen gesprochen wird. Diese Sprache enthält zahlreiche Ungenauigkeiten, die in wissenschaftlichen Texten vermieden werden müssen.

Definition: Umgangssprache

Als Umgangssprache werden Abweichungen oder besonders expressive Ausprägungen der Standardhochsprache bezeichnet, die in der alltäglichen Kommunikation zum Einsatz kommen. Daher wird sie auch Alltagssprache genannt. Umgangssprachliche Merkmale können sowohl in der Syntax (Satzbau) als auch in der Lexik (Wortschatz) vorliegen. Oft kommt es zu umgangssprachlichen Äußerungen, wenn Elemente der gesprochenen Sprache auf geschriebene Texte Einfluss nehmen, unreflektiert übernommen werden oder dem Inhalt ein persönlicher Ausdruck verliehen werden soll.

Beim wissenschaftlichen Schreiben ist die Umgangssprache ein stilistischer Fehler, der im Gegensatz zur gewünschten Fachsprache steht. Umgangssprache suggeriert einen subjektiven (und oftmals wertenden) Blick auf den Gegenstand. Sie widerspricht dem Ziel, das Thema wissenschaftlich (also sachlich und möglichst objektiv) zu beschreiben und auszuwerten. Dabei existieren zahlreiche Begriffe, die umgangssprachlich verwendet werden, aber in der wissenschaftlichen Sprache keine Verwendung haben (z.B.: gut, schlecht etc.). Diese Begriffe musst du mit Synonymen ersetzen, um der wissenschaftlichen Objektivität gerecht zu werden.

Umgangssprache Nachteile

Darum musst du Umgangssprache vermeiden

Durch umgangssprachliche Formulierungen wird die Wahrnehmung des Verfassers zum festen Bestandteil des Textes. Seine persönliche Sichtweise/Wortwahl verzerrt die Inhalte und erschwert es Lesern, sie wertneutral nachzuvollziehen. Ferner stören umgangssprachliche Redundanzen den Lesefluss und lassen Zweifel an der Fachkompetenz des Verfassers aufkommen.

Umgangssprache
Das ist nicht wirklich hilfreich zur Beantwortung der Forschungsfrage.

Fachsprache
Das ist kein zielführender Ansatz zur Beantwortung der Forschungsfrage, denn (…)

Umgangssprache
Dieser Vorschlag erwies sich – gelinde gesagt – als Mumpitz!

Fachsprache
Diese These erwies sich als fehlerhaft.

Umgangssprache
Es liegt auf der Hand, dass (…)

Fachsprache
Die Analyse zeigt, dass (…)

Übertreibungen verringern die Objektivität

Das Ziel einer wissenschaftlichen Arbeit besteht darin, Sachverhalte nüchtern zu beschreiben und anschließend zu kontextualisieren. Übertreibungen führen hingegen dazu, dass Beschreibung und Kontextualisierung nicht mehr voneinander getrennt werden. Sie laden den Sachverhalt emotional auf und rücken ihn dadurch in ein falsches Licht.1

Umgangssprache
Die Theodosianische Mauer war eine gewaltige Befestigungsanlage der Spätantike.
⇒ Was bedeutet «gewaltig»?
⇒ Wie groß ist «gewaltig»?

Fachsprache
Die Theodosianische Mauer ist mit einer Länge von 20 Kilometern und einer Breite von 70 Metern eine der größten Befestigungsanlagen der Spätantike.

Umgangssprache wirkt ungenau

Viele Begriffe der Umgangssprache sind an einen bestimmten Kontext oder die emotionale Resonanz von Verfasser und Leser gebunden. Dementsprechend wirken umgangssprachliche Formulierungen ungenau und verfügen nicht über die Präzision, nach der ein wissenschaftlicher Text verlangt. Wissenschaftliche Texte dienen dazu, Informationen in eindeutiger Form festzuhalten und fachkompetenten Lesern zu vermitteln.

Umgangssprache
Diese Ergebnisse sind ziemlich erstaunlich.
⇒ Warum sind die Ergebnisse erstaunlich?
⇒ Was wurde erwartet?

Fachsprache
Diese Ergebnisse widersprechen den eingangs formulierten Erwartungen.

Umgangssprache enthält eine subjektive Wertung

Umgangssprachliche Begriffe sind (unter anderem) daran zu erkennen, dass sie einen Gegenstand nicht nur beschreiben, sondern zugleich bewerten. Dadurch tragen sie eine subjektive Sichtweise in den Text und nehmen die wissenschaftliche Einordnung des Analysegegenstands vorweg. Umgangssprachliche Begriffe müssen durch Begriffe ersetzt werden, die den Gegenstand wertneutral in seinen forschungsrelevanten Eigenschaften beschreiben. Manchmal bietet es sich an, auf eine nähere Beschreibung des Gegenstands zu verzichten, soweit diese keine Relevanz für das Forschungsprojekt hat.

Umgangssprache
Die Versuche waren zu halbherzig, als dass (…)
⇒ Warum wurden sie nicht sorgfältiger durchgeführt?
⇒ Wer hat zu «halbherzig» agiert?

Fachsprache
Die Versuche reichten nicht aus, um (…)

Umgangssprache drückt persönliche Begeisterung aus

Der persönliche Bezug des Verfassers zur Forschung darf keinen Einfluss auf eine wissenschaftliche Arbeit haben. Daher sollten weder Begeisterung noch Enttäuschung in der Arbeit Erwähnung finden. Dasselbe gilt für etwaige Faszination gegenüber dem Analysegegenstand. Die Leser interessieren sich für wissenschaftliche Inhalte, nicht für die emotionale Verfasstheit oder die Ambitionen des Autors. In den meisten Fällen lassen sich persönliche Anmerkungen ersatzlos streichen.

Umgangssprache
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts belegten beeindruckende Funde, dass (…)
⇒ Wer findet die Funde beeindruckend?

Fachsprache
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts belegten Funde, dass (…)

Metaphern und Redewendungen vermeiden

Metaphern und Redewendungen sind nicht geeignet, um Informationen in eindeutiger Form festzuhalten. Sie erfordern kulturelles Wissen, um die Bedeutung der Aussage in ihrem jeweiligen Kontext verstehen zu können. Diese Voraussetzung erschwert den Zugang zum Text und steht einer klaren und zielgerichteten Ausdrucksweise entgegen. Daher solltest du Metaphern und Redewendungen in wissenschaftlichen Arbeiten vermeiden und durch eindeutige Aussagen ersetzen.

Beispiele für Redewendungen:

  • Das ist Jacke wie Hose.
  • Die Daten sind nicht das Gelbe vom Ei.
  • Die Entwicklung steckt noch in den Kinderschuhen.
  • Doch niemand bemerkte das Damoklesschwert, das über der Veranstaltung hing.
  • Dies war sein persönlicher Gang nach Canossa.

Umgangssprache
Der Regierungschef erwies sich als Fels in der Brandung.
⇒ Was bedeutet das?

Fachsprache
Der Regierungschef gab dem innenpolitischen Druck nicht nach und signalisierte der Bevölkerung Stabilität und Sicherheit.

Umgangssprache und Füllwörter

Inhaltlich und grammatikalisch überflüssige Wörter werden als Füllwörter bezeichnet. Sie sind einer der Hauptverursacher von Umgangssprache in wissenschaftlichen Texten. Sie verlängern Sätze (unnötig), stören den Lesefluss und verringern die wissenschaftliche Präzision. Oft entstehen sie unbewusst oder werden genutzt, um unsichere Aussagen zu relativieren.2 Es ist ratsam, wenigstens einen Arbeitsschritt ins Entfernen von Füllwörtern zu investieren.

Du kannst Füllwörter daran erkennen, dass sie für die Bedeutung des Satzes unerheblich sind und/oder einen Bedeutungsaspekt ausdrücken, der für das Forschungsthema irrelevant ist. Viele Füllwörter sind Partikel, die aus der gesprochenen Sprache stammen, schriftsprachlich jedoch keinen Zweck erfüllen.

Beispiele für Füllwörter

  • relativ
  • ja
  • genau
  • sozusagen
  • eigentlich
  • schon
  • nämlich
  • einfach
  • wohl
  • durchaus
  • bloß
  • halt

Umgangssprache
Eben deswegen ist ja davon auszugehen, dass sich die Messdaten durchaus gemäß These A entwickeln werden.

Fachsprache
Daher ist davon auszugehen, dass sich die Messdaten gemäß These A entwickeln.

Umgangssprache vermeiden: Tipps

Im Folgenden haben wir dir noch einige Tipps zusammengeschrieben, damit du Umgangssprache effektiv vermeiden kannst:

  • keine eigenen Gefühle im Text ausdrücken
  • alle Bewertungen durch Daten/Beispiele belegen
  • emotional aufgeladene Begriffe vermeiden
  • objektive Sprache verwenden
  • Trennung von Beschreibung und Bewertung aufrechterhalten
  • Füllwörter entfernen
  • auf Redewendungen und Metaphern vollständig verzichten
  • nichts für selbstverständlich nehmen
  • sich nicht an der gesprochenen Sprache orientieren
  • nicht übertreiben, so konkret wie möglich bleiben

Häufig gestellte Fragen

Zur Umgangssprache gehören vorrangig Äußerungen aus dem alltäglichen Sprachgebrauch, die der gesprochenen Sprache entnommen sind und subjektive Eindrücke des Verfassers in expressiver Form wiedergeben. Die Umgangssprache steht im Gegensatz zur Fachsprache, die sich um eine neutrale Schilderung des jeweiligen Gegenstands bemüht. Sowohl Satzbau als auch Wortwahl können umgangssprachlich sein.

Während ein fachsprachlicher Text eine neutrale Perspektive bemüht und personenunabhängig nachvollziehbar ist, erzeugt Umgangssprache einen subjektiven Standpunkt, ohne diesen zu reflektieren. Umgangssprachliche Äußerungen verwässern die wissenschaftliche Aussagekraft des Textes.

Du kannst Umgangssprache vermeiden, indem du auf Superlative verzichtest (soweit sie nicht unmittelbar von dir belegt werden), Ausdrücke persönlicher Verwunderung/Begeisterung/Bestürzung unterlässt, keine Redewendungen oder Füllwörter verwendest und emotionale Begriffe durch sachliche Alternativen ersetzt. Außerdem solltest du nur Wertungen vornehmen, deren Gehalt du innerhalb des Textes belegst.

Emotionale Begriffe sind oft daran zu erkennen, dass sie eine Eigenschaft mit einer Wertung verbinden (zum Beispiel: gewaltig, selbstverständlich, zwecklos).

Sätze mit „man“ werden häufig als umgangssprachlich empfunden, da sie eine Allgemeinheit behaupten, die der Text nicht näher definiert (zum Beispiel: „Damals dachte man, die Sonne kreise um die Erde.“).

Quellen

1 Universität zu Köln: Einführung in wissenschaftliches Arbeiten, in: Universität zu Köln, o. D., [online] https://www.hf.uni-koeln.de/data/eso24/File/Reader%20zum%20wissenschaftlichen%20Arbeiten.pdf (zuletzt abgerufen am 21.11.2022)

2 Universität Trier: Leitfaden für wissenschaftliche Arbeiten, in: Universität Trier, o. D., [online] https://www.uni-trier.de/fileadmin/fb4/prof/INF/WI1/Fuer_schriftliche_Ausarbeitungen/Leitfaden_fuer_wissenschaftliche_Arbeiten.pdf (zuletzt abgerufen am 21.11.2022)