Tautologie – Definition, Wirkung und Anwendung

05.09.22 Alle Stilmittel Lesedauer: 7min

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Tautologie-01

Wenn du die Welt der Logik und Sprache besser verstehen und dabei klare, unmissverständliche Aussagen machen möchtest, dann ist das Konzept der Tautologie dein perfekter Ausgangspunkt. Denn das Stilmittel ermöglicht es dir, die Struktur von Aussagen zu durchschauen und ihre Bedeutung präzise zu erfassen. Hier lernst du alles, was du über das Stilmittel Tautologie wissen musst.

Tautologie „einfach erklärt“

Eine Tautologie liegt vor, wenn zwei oder mehrere bedeutungsähnliche oder -gleiche Wörter zusammen in einem Ausdruck eingesetzt werden. Deshalb dient das Stilmittel oft der Betonung und der ästhetischen Verstärkung in lyrischen Texten. Im Gegensatz dazu gilt es in wissenschaftlichen Arbeiten als stilistisch redundant, weil es keinen Mehrwert bietet, weshalb es dort vermieden werden sollte.

Definition

Eine Tautologie ist ein rhetorisches Stilmittel, bei dem zwei (oder mehr) bedeutungsähnliche Wörter zusammen eingesetzt werden, um die Nachdrücklichkeit einer Aussage zu unterstreichen. Es handelt sich um eine semantische Redundanz, da die verwendeten Wörter dieselbe Bedeutung anhäufen. Diese Praxis findet vorrangig in literarischen Texten Verwendung. Insbesondere performative Texte profitieren davon, der Zuhörerschaft die Deutlichkeit einer Botschaft durch inhaltliche Wiederholung zu vermitteln.

Beispiele für Tautologien

  • In vielen Teilen der Welt leben Menschen, die nicht nur arm, sondern auch bedürftig sind, ohne Zugang zu grundlegenden Bedürfnissen wie sauberem Wasser und Nahrung.
  • Ich unterstütze deine Entscheidung voll und ganz, da ich glaube, dass sie zum besten Ergebnis führen wird.
  • Die Nacht vorgestern war nicht nur dunkel, sondern auch finster, was bei mir ein unheimliches Gefühl erzeugte.

Nach einer weiter gefassten Auslegung des Begriffs kann das Stilmittel über den einzelnen Satz hinausreichen und ganze Textelemente betreffen. Das ist der Fall, wenn mehrere Sätze oder Textabschnitte die gleichen Aussagen tätigen und keinen inhaltlichen Mehrwert erzeugen. Demnach läge das Stilmittel immer dann vor, wenn unterschiedliche Textabschnitte demselben Zweck dienen. Sowohl enger gefasste als auch weit gefasste Tautologien sollten in wissenschaftlichen Arbeiten vermieden werden. Sie wirken pointierten Aussagen entgegen und schaden der inhaltlichen Dichte des Textes. Ferner tragen sie Subjektivität in die Argumentation, indem sie einen eher alltagssprachlichen Stil gebrauchen und Nachdrücklichkeit nicht durch inhaltliche Schärfe, sondern allein durch Rhetorik erzeugen.

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Wirkung

Eine Tautologie ist ein vielseitiges und wirkungsvolles Stilmittel in der Lyrik, weil es über die oberflächliche Redundanz hinausgeht und zur Tiefe, Schönheit und Komplexität lyrischer Texte beiträgt. Daher hat das Stilmittel mehrere bedeutende Wirkungen, die grundsätzliche Wirkung ist aber die Betonung und Verstärkung von Aussagen. Durch die Wiederholung von gleichbedeutenden Wörtern verstärkt es die emotionale oder thematische Aussage eines Gedichts. Eine weitere Wirkung ist die Erzeugung von Rhythmus und Klang, denn durch die Wiederholungsstruktur erzeugt und verstärkt das Stilmittel Rhythmus und Klangmuster. Dadurch tragen sie auch zur ästhetischen Gestaltung eines Gedichts und zum Gesamtergebnis des Lesens und Hörens bei.

Des Weiteren kann das Stilmittel bestimmte Atmosphären und Stimmungen aufbauen oder verstärken. Die Wiederholung ähnlicher Konzepte oder Beschreibungen kann dazu beitragen, dass Leser tiefer in die emotionale oder sensorische Erfahrung des Gedichts eintauchen. Auch die Verstärkung von Bildern oder Symbolen ist eine Wirkung des Stilmittels. Die Wiederholung von Beschreibungen oder Adjektiven kann ein Bild lebendiger machen oder die symbolische Bedeutung eines Elements verstärken. Außerdem hat das Stilmittel auch einen spielerischen Umgang mit Sprache, wodurch Grenzen ausgelotet werden und die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Art und Weise gelenkt wird, wie Sprache Bedeutung konstruiert und vermittelt. Die letzte Wirkung ist die Herausforderung und das Engagement des Lesers, denn durch die bewusste Verwendung dieses Stilmittels kann ein Dichter den Leser herausfordern, über die scheinbare Redundanz hinauszudenken und tiefer in die möglichen Bedeutungen und Nuancen des Textes einzutauchen.

Tautologie-Wirkung

Anwendung

Es gibt einige tautologische Formulierungen, sowohl im normalen Sprachgebrauch als auch in der Lyrik. Manchmal fallen einem die Formulierungen gar nicht auf, weil sie schon zum täglichen Gebrauch zählen und man nicht auf die Wiederholung gleichbedeutender Wörter achtet.

Beispiele aus dem Alltag

  • Es ist, was es ist.
  • Sie leben zusammen in einer gemeinsamen Wohnung.
  • Wenn man drei Artikel kauft, bekommt man ein Gratis Geschenk.
  • Das Ergebnis der Führerscheinprüfung ist endgültig.
  • Ich teile nur meine persönliche Meinung mit dir.

Anhand der Beispiele kannst du erkennen, wie sehr das Stilmittel schon in unserem Sprachgebrauch integriert ist. Das erste Beispiel verdeutlicht nur, dass die Unveränderlichkeit einer Situation akzeptiert wird. Auch die Phrase mit dem „Gratis Geschenk“ ist überfällig, da Geschenke in der Regel immer gratis sind. Genauso sind auch Meinungen schon nach ihrer Definition persönlich, weshalb die Betonung der „persönlichen Meinung“ eine weitere Tautologie darstellt.

Anwendung in wissenschaftlichen Arbeiten

Die Tautologie gilt in wissenschaftlichen Arbeiten als schlechter Stil. Das Stilmittel dehnt die Textmenge unnötig aus und versetzt sie mit umgangssprachlichen Redewendungen und subjektiven Betonungen. Die inhaltlichen Wiederholungen bieten in den meisten Fällen keinen Mehrwert und erzeugen den Eindruck, der Verfasser wolle lediglich sein stilistisches Können unter Beweis stellen oder den Text künstlich in die Länge ziehen. Du kannst eine Tautologie leicht vermeiden, indem du dich für einen der ähnlichen Begriffe entscheidest oder auf eine passende Alternative ausweichst. Das sollte spätestens in der Nachbearbeitungsphase geschehen, in der du deinen Text auf stilistische und formale Mängel untersuchst.

Beispiele

Falsch: Dabei handelt es sich einzig und allein um Veröffentlichungen des Fischer-Verlags.
Richtig: Dabei handelt es sich ausschließlich um Veröffentlichungen des Fischer-Verlags.

Falsch: Die Arbeit behandelt das Thema XY voll und ganz.
Richtig: Die Arbeit behandelt das Thema XY umfassend.

In seltenen Fällen kann eine Tautologie als Stilmittel hingegen auch gerechtfertigt sein, zum Beispiel wenn sich die verwendeten Begriffe in wichtigen Nuancen unterscheiden. Dabei ist es ratsam, die Formulierung als vermeintliches Stilmittel zu explizieren, um die relevanten Nuancen anschließend zu erläutern. Eine solche Explikation könntest du zum Beispiel so einleiten: „Diese Formulierung mag tautologisch anmuten, doch ist es nicht selbstverständlich, dass Begriff A zugleich Eigenschaft C von Begriff B suggeriert. Das ist insbesondere für Fall X relevant, denn …“.

Tautologie vs. Pleonasmus

Die Begriffe Tautologie und Pleonasmus werden häufig synonym verwendet. Dennoch verweisen sie auf zwei unterschiedliche Stilmittel. Der Unterschied zur Tautologie besteht darin, dass ein Pleonasmus vorliegt, wenn eine untergeordnete Formulierung eine Bedeutung vermittelt, die bereits in der ihr übergeordneten Formulierung angelegt ist. Während die Tautologie sich auf die Häufung gleichrangiger und bedeutungsähnlicher Formulierungen bezieht. Eine untergeordnete Formulierung ist meistens ein Adjektiv, während ein Substantiv eine übergeordnete Formulierung bildet. Auch hier kann von Pleonasmen auf Satz- und Begriffsebene und von Pleonasmen in der Textstruktur gesprochen werden. Pleonasmen in der Textstruktur sind dadurch gekennzeichnet, dass sie obsolete Beschreibungen bilden, wie wenn eine Studie über eine bereits als Spinnentier klassifizierte Spezies aussagt, sie verfüge über acht Beine. Ein weiterer Unterschied ist, dass der Pleonasmus keine weiteren Informationen hinzufügt und ein Wort mit Wörtern verschiedener Wortarten kombiniert.

Beispiele: Pleonasmus

  • Bei der Verletzung floss rotes Blut.
  • Der alte Greis erzählt Geschichten aus seiner Jugend.
  • Die Ermittler fanden eine tote Leiche im Wald.
  • In den Legenden taucht oft ein großer Riese auf, der über die Berge wandelt.
Tautologie Pleonasmus
Gemeinsames Auftreten gleichrangiger Wörter mit ähnlicher Bedeutung. Ein untergeordnetes Wort beschreibt ein höherrangiges Wort, in dem die Beschreibung bereits angelegt ist.
Semantische Redundanz. Semantische Redundanz.
Dient der Verdeutlichung einer Aussage. Dient der Hervorhebung einer Eigenschaft.
Fördert den Sprech- und Leserhythmus. Fördert die Beschreibung eines Gegenstands/einer Person.
Im weiter gefassten Sinne kann es auch auf die Textstruktur bezogen werden. Im weiter gefassten Sinne kann es auch auf die Textstruktur bezogen werden.
Für wissenschaftliche Arbeiten ungeeignet. Für wissenschaftliche Arbeiten ungeeignet.
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Häufig gestellte Fragen

Die Definition des rhetorischen Stilmittels Tautologie lautet, dass mehrere Wörter mit gleicher oder sehr ähnlicher Bedeutung zusammen verwendet werden. Sie dienen außerhalb wissenschaftlicher Texte dazu, der getroffenen Aussage besonderen Nachdruck zu verleihen.

Der Unterschied zwischen Tautologie und Pleonasmus liegt darin, dass Tautologien aus Wörtern mit ähnlicher Bedeutung bestehen, zum Beispiel: voll und ganz. Bei einem Pleonasmus ergibt sich die semantische Redundanz durch ein Adjektiv, dessen Bedeutung bereits im beschriebenen Substantiv angelegt ist, zum Beispiel: runder Zylinder. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass Tautologien Wörter der gleichen Wortart benutzen, während der Pleonasmus Wörter aus verschiedenen Wortarten verwendet.

Tautologien gelten in wissenschaftlichen Arbeiten als stilistische Mängel, weil sie redundante Informationen enthalten, die keinen zusätzlichen Wert oder Erkenntnisgewinn bieten. Sie können den Text unnötig aufblähen und die Präzision sowie Klarheit der Argumentation schwächen, was in der wissenschaftlichen Kommunikation, wo Kürze und Genauigkeit gefordert sind, nicht erwünscht ist.

Ein Beispiel für einen tautologischen Ausdruck ist die Phrase „endgültiges Ergebnis.“ Diese Formulierung betont die Absolutheit und Unveränderlichkeit des Ergebnisses, da „endgültig“ bereits impliziert, dass es keine weitere Änderung oder Revision geben wird. Ein tautologischer Ausdruck verstärkt somit die Vorstellung von der endgültigen und unwiderruflichen Natur eines Ergebnisses.

In einer weiter gefassten Bedeutung bestehen Tautologien nicht nur aus gemeinsam auftretenden unterschiedlichen Wörtern mit ähnlicher Bedeutung, sondern auch aus gehäuften Phrasen, welche dieselbe Bedeutung in anderen Worten wiederholen. Demnach können sie auch mehrere Sätze oder Textabschnitte bezeichnen.